Liebe Interessierte an der Gemeindechronik!

Beim Sammeln von Fotos, Feldpostkarten und Briefen aus dem 1. Weltkrieg hat sich einiges angesammelt. Der ursprüngliche Plan war, einige Fotos auf der Homepage zu präsentieren. In der Zwischenzeit ist daraus ein Bildband mit 175 Seiten geworden. Das Buch wurde bei der Chronikausstellung am 28. Juli 2014 beim Schlaitner Wirt präsentiert. Die gesamte Ausstellung konnte in den folgenden drei Wochen im Gasthaus besichtigt werden. Der gesamte Katalog wurde auch auf zwei Bildschirmarbeitsplätzen digital präsentiert. Zahlreiche Besucher (auch von auswärts) zeigten sich an der Ausstellung sehr interessiert.

Für einem kurzen Gasthausbesuch auf einen Kaffee war der Text auf den 175 Seiten jedoch zu umfangreich. So ist es doch bequemer, die digitale Ausstellung zu euch ins Wohnzimmer zu schicken.

Auf Grund der Größe der Datei musste die Ausstellung in 6 Abschnitte (6 PDF-Dateien) geteilt werden.
Ein Großteil der Fotos ist jedoch auch im nachfolgenden Anhang zu sehen.

Seiten Inhalt
001-006 Kriegsteilnehmertafel der Gemeinden Glanz und Schlaiten
007-012 Gefallen, vermisst und in Gefangenschaft gestorben
013-031   Von Beginn des Weltkrieges - Juli 1914 bis 13. Juni 1915
  pdf1. Weltkrieg Teil 1 - Seite 001-031
   
032-066 Kriegstagebuch von Peter Paul Greinhofer (Seite 1 - 35)
  pdf1. Weltkrieg Teil 2 - Seite 032-066
   
067-099 Kriegstagebuch von Peter Paul Greinhofer (Seite 36-74
  pdf1. Weltkrieg Teil 3 - Seite 067-099
   
100-101 Familien Greinhofer vlg. Kasperer und Brugger vlg. Båcher
102-107 Standschützenbataillon Lienz - Schlaitner Eintragungen
      108 Brief von Antonia Ingruber an ihren Vater Ignaz an die Front
109-115 Das Schicksal der Nachbarn Karl Waldner und Johann Pedarnig
116-123 Die Kriegsjahre 1916 und 1917
124-129 Schule und Pfarre - aus dem Schulkatalog und den Pfarrbüchern
  pdf1. Weltkrieg Teil 4 - Seite 100-129
   
130-138 1918 - die letzten Monate des Krieges
139-145 In Gefangenschaft
  pdf1. Weltkrieg Teil 5 - Seite 130-145
   
146-170 Aus dem Ehrenbuch des Landes Tirol - vermisst, gefallen, gestorben
171-174 Kriegergedächtniskapelle in Schlaiten
       175 Suche und Hoffnung auf Rückkehr von Kriegsgefangenen
  pdf1. Weltkrieg Teil 6 - Seite 146-175
   
 

   

  

   

Ingruber Paul, Schneidermeister
in St. Lorenzen im Pustertal
geb. am 19.05.1889 beim Gruber
gefallen am 28.08.1914
in Uhnow in Galizien
1. Tiroler Kaiserjäger-Regiment

  Müller Michael, Gasserbauer
geb. am 09.09.1886
gefallen am 21.10.1914
im Kriege gegen Russland 
in Poratyce-Przemysl, Galizien
  Gantschnig Johannes
geb. am 03.01.1887 beim Fotz
gefallen 1914
im Kriege gegen Russland
in Przemysl, Galizien

 

       

   

Brugger Peter Paul, Albinersohn
geb. am 23.01.1891
vom Krieg nicht mehr heimgekehrt
letzte Nachricht am 10.12.1914
ergebnislose Nachforschung
über das Rote Kreuz

 

Brugger Peter, Anderlersohn
Rufname "Schwarzer Anderler",
geb. am 25.01.1876
gefallen 1915 in Birtiz-Huta
in Galizien

  Steiner Johann, Daberersohn
geb. am 06.04.1894
gefallen am 09.03.1915
in Senkowa,  Galizien
im Kriege gegen Russland

 

       
     

Engeler Peter Paul, Schneidersohn
geb. am 31.05.1894
gefallen am 11.03.1915
in Galizien, gestorben in einem
Feldspitale in Yzylow in Galizien

  Flatscher Josef
früher Oberfotz, zuletzt Weberer
geb. am 31.08.1884 in Schlaiten
gefallen am 03.05.1915
im Krieg gegen Russland
in Tarnow in Galizien
  Plattner Alois
Plattnersohn
geb. am 09.10.1878
gefallen am 13.06.1915
im Kampf gegen die Russen
in Zezaba in Galizien
         
     
Greinhofer Peter Paul
Kasperersohn in Schlaiten
geb. am 04.04.1879
gefallen 1915 in Doberdo
Isonzoschlacht
war in Innsbruck verheiratet
 

Waldner Karl Obertschellnigbauer
geb. am 28.05.1869
gefallen am 17.05.1916
am Monte Sief in den Dolomiten 
durch eine Handgranate

 

Pedarnig Johann
Pedarnigbauer in Göriach
geb. am 16.10.1877
gefallen am 17.05.1916
durch eine Handgranate
an der Dolomitenfront

         
     
Flatscher Peter
früher Oberfotz, zuletzt Weberer
geb. am 02.03.1886 in Schlaiten
gefallen am 28.08.1916
im Krieg gegen Russland
in Rozwadow in Galizien
  Lumaßegger Johann, vlg. Rösch
geb. am 14.08.1856
gestorben am 13.09.1916
an den Folgen des Krieges;
erst später als Gefallener
in div. Unterlagen angeführt
  Waldner Alfons
Obertschellnigsohn in Göriach
geb. am 15.06.1878
vermisst 1916
im Kampf gegen Russland
in Reszow in Galizien
         
     
Ingruber Hubert, Sattler
Grubersohn
geb. am 16.05.1894
gefallen am 04.09.1918
an der Südwestfront
in Caldonazzo im Trentino
  Ingruber Mathias, Hausmeister
Grubersohn in Schlaiten
geb. am 20.01.1893
gestorben am 14.04.1919
in italienischer Gefangenschaft
im Spatale in Mira bei Venedig
  Plattner Simon
Moarsohn in Schlaiten
geb. am 24.10.1887
gestorben am 28.07.1919
in italienischer Gefangenschaft
in Treviso
         
     
Archiv-Nr. 1931    
Insgesamt 100 Männer aus den beiden Gemeinden Glanz und Schlaiten waren am 1. Weltkrieg beteiligt.
Auch bei der Anlegung dieser Tafel war man sich nicht ganz einig, wer zu den Teilnehmern des "Großen Krieges" zu zählen zählte. So fehlen hier einige Namen wie z.B. Johann Lumaßegger vlg. Rösch. Peter Paul Greinhofer vlg. Kasperer ist auf der Tafel nicht angeführt, er wurde erst später zu den Schlaitner Kriegsteilnehmern dazugezählt.
   

 

     

Archiv-Nr. 9349
August 1914 - sicher eines der ersten Fotos vom 1. Weltkrieg
stehend 3. v. l.: Alfons Waldner, vlg. Obertschellnig, geb. am 15.06.1878
Text auf der Tafel: Erinnerung im Kriegszustande die Bewachung der Eisenbrücke bei Nirsake? Aug. 1914
Waldner Alfons lernte von 1903 bis 1906 bei Meister Paul Mair in Nikolsdorf das Tischler- Handwerk. Er arbeitete auch anschließend noch dort. Es gibt eine Karte die ihm seine Schwester Petronilla am 1. VIII. 1913, von Abfaltersbach aus nach Nikolsdorf, zum Namenstag geschrieben hat. Alfons diente im 1. Weltkrieg beim II. Kaiserjäger-Regiment. Im Jahre 1916 musste er in Reszow in Galizien sein Leben lassen. Im gleichen Jahr starb auch sein Bruder Karl an der Dolomitenfront.

 
     
 

Für unsere Gemeinde die erste traurige Nachricht in
diesem Kriege. Der erste Gefallene aus Schlaiten:
Ingruber Paul, geb. am 19. Mai 1888 beim Schlaiten-Gruber,
ledig, Schneidermeister in St. Lorenzen im Pustertale
eingerückt zum 1. Tiroler Kaiserjägerregiment.
Gefallen am 28. August 1914 in Uhnow in Galizien.
Ingruber Paul war das vierte von insgesamt 18 Kindern von
Ingruber Ignaz, Gruberbauer und Notburga,
geb. Platzer vom Gasserbauer in Glanz.

 

Zwei Monate später kam die Nachricht von einem weiteren Gefallenen an der Ostfront:
Müller Michael, Gasserbauer, geb. am 09.09.1886, ledig.
Gefallen am 21.10.1914 im Kriege gegen Russland in Poratyce-Przemysl.
Michael war der einzige Sohn der Eheleute Müller Anton, Gasserbauer und Elisabeth, geb. Pedarnig vom Gruber in Schlaiten. Seine Schwester Maria heiratete 1919 Waldner Anton vom Obertschellnig und übernahm den Gasserhof.

     

 


Archiv-Nr. 6073
22. August 1914 Feldpostkarte aus Miskolc (altdeutsch: Mischholz im heutigen Ungarn) von Müller Michael vlg. Gasser und Gruber Thomas vom Hupf in Schlaiten an Müller Anton vlg. Gasser in Schlaiten
Abs. Mich. Müller 22. 8. 1914
"Lieber Vater! Wir haben heute diese Stadt passiert. Es geht uns gut. Mit Gruß Michael und Thomas Gruber

2 Monate später, am 21.10.1914 starb der einzige Sohn von den Gasserleuten Anton Müller und Elisabeth Pedarnig im Krieg gegen Rußland im Alter von 28 Jahren in Poratyce-Przemysl im heuigen Polen.
Seine um 3 Jahre jüngere Schwester heiratete den Obertschellnigsohn Josef Waldner. Sie übernahmen das Gasseranwesen.
Die Belagerung von Przemysl war die größte Belagerung des Ersten Weltkrieges und eine schwere Niederlage für Österreich-Ungarn. Die österreichische Garnison kapitulierte im März 1915 und ging mit 110.000 Soldaten in russische Gefangenschaft.

 


Archiv-Nr. 6075
September 1914 September - Feldpostkarte mit dem Motiv "Niederlage der serbischen Timokdivision"
Offizielle Karte für: Rotes Kreuz, Kriegsfürsorgeamt, Kriegshilfsbüro Nr. 82

 

 
Archiv-Nr. 981
1914 - Engeler Andrä - vlg. Schneider in der hintersten Reihe 2. v. rechts
Plakattext: "1914 Wiedersehen in den Bergen Tirol"

 
Archiv-Nr. 6069
Um 1913 - Tabernig Peter vom Obersteiner in Gwabl, geb. am 21.01.1890 - gefallen am 03.04.1915 - hintere Reihe 2. v.r. 
Bruder von Tabernig Vinzenz vlg. Zischger und Florian vlg. Zenzer
Text auf der Tafel: K.u.K. II. Regiment der Tir. Kaiserjäger - 14. Kompanie
"Zur Erinnerung an die halbe Dienstzeit 1911 - 1914"

 


Archiv-Nr. 6074
4. November 1914 Feldpostkarte aus Krakau von Oblasser Ambros vlg. Zenzer - 4. Tiroler Kaiserjäger Regiment Festungsspital Nr. 1 Krakau an Greinhofer Alois vlg. Kasperer in Schlaiten
"Krakau am 4. 11.1914 Werter Freund! Werde jetzt bald nach Schlaiten kommen. Hoffe, alles gesund und wohl anzutreffen. Hoffentlich hats die Schlaitner Krieger nicht gar zu stark hergenommen. Allen viele Grüße Ambr. Oblasser

 

 

 

Archiv-Nr. 609
25. September 1914 Feldpostkorrespondenzkarte von Greinhofer Peter Paul an seinen Bruder Greinhofer Alois in Schlaiten - Einsatz beim Kanonenbatterie Nr. 6 des k. u. k. Gebirgsartillerieregiments Nr. 8
Lieber Bruder! Die besten Grüße sendet euch allen in der lieben Heimat. Hoffen daß wir uns alle wieder einmal zusammen treffen mögen. Mir geht's jetzt etwas besser als vor einigen Wochen - gegenwärtig nicht in der Feuerlinie, heute die Witterung schön, sonst hat es geregnet. Wie geht's den Schlaitnern im Kriegsdienst? Was macht meine Frau u. Kind - sind sie dir wohl nicht zu streng?. Hier konnte ich ...... Bekannten treffen. Ist doch besser, bei Bekannten zu weilen. Grüß mir alle deine Lieben, habe heute wenig Zeit mehr zu schreiben, ein anderes mal werde ich schon mehr schreiben. Den herzlichsten Dank und die besten Grüße sendet Euch allen Peter Paul Greinhofer"

 

Archiv-Nr. 6076
Feldpostkarte mit dem Motiv "Österreichisch-ungarische Truppen erstürmen eine Anhöhe des Lovcen" 
Offizielle Postkarte für das Rote Kreuz, Kriegsfürsorgeamt, Kriegshilfsbüro
Der Lovćen ist ein Hauptgebirge Montenegros. Die höchsten Punkte sind Štirovnik (1.749 m) und Jezerski Vrh (1.657 m).
Für Österreich-Ungarn diente der Krieg gegen Montenegro überwiegend der Unterbindung eines Zuganges Serbiens zur Adriaküste. Montenegro konnte den eindringenden Truppen der k.u.k. Armee nur wenig entgegensetzen und kapitulierte im Jänner 1916.

 
 

Archiv-Nr. 6004-1, 6103 und 5826
Als vermisst gemeldet wurde der 22 Jahre alte
Schneidergehilfe Peter Paul Brugger vom Albiner.
Die Eltern erhielten von ihrem Sohn am
10. Dezember 1914 die letzte Nachricht aus Galizien.
1917 wurde noch einmal über ein Suchblatt vom
Österreichischen Roten Kreuz nach dem Vermissten
gesucht.Peter Paul Brugger ist bei der Errichtung der
Kriegergedächtniskapelle im Jahre 1922 noch nicht
als Gefallener auf den Steintafeln angeführt. Erst bei
der Ergänzung der weiteren Steintafeln wurde
sein Name angeführt.

     
     
 
     
Archiv-Nr. 6003-8
Auch Johann Gantschnig, Fotzsohn, geb. am 03.01.1887
musste noch im Herbst 1914 in Galizien in Przemysl
im Alter von 26 Jahren sein Leben lassen.
Eltern: Andrä Gantschnig und Anna, geb. Bacher
 

Archiv-Nr. 6003-5
In den ersten 6 Monaten des Jahres 1915 langten noch
5 weitere Todesnachrichten in der Heimat ein:
Peter Paul Brugger, der "Schwarze Anderler" genannt,
fällt 1915 in Galizien im Kampfe gegen die Russen
Eltern: Simon Brugger vlg. Anderler und Maria Außerkraß

   

 

 

Archiv-Nr. 6003-16
Johann Steiner, Daberersohn, geb. am 06.04.1894
gefallen am 09.03.1915 in Galizien
Eltern: Kajetan Steiner, vlg. Daberer und Elisabeth Rainer

 

Archiv-Nr. 6003-7 und 140
Peter Paul Engeler, Schneidersohn - Niedermeßner
gefallen am 11.03.1915 in Galizien
Eltern: Peter Paul Engeler und Agnes, geb. Unterleibniger

 

 

Archiv-Nr. 1879
Johann Steiner - der älteste Sohn beim Daberer
 

Archiv-Nr. 1943
vorne li.: Bartlmä Gantschnig - Fotzsohn
vorne re: Steiner Johann - Daberersohn

 

 

 

Archiv-Nr. 6003
Josef Flatscher, früher Oberfotz, zuletzt beim Weberer
in Quartier, geb. am 31.08.1884 in Schlaiten
gefallen am 03.05.1915 in Tarnow in Galizien
Eltern: Andrä Flatscher und Bertha, geb. Baumgartner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Archiv-Nr. 6003 und 144
Alois Plattner, Plattnersohn, geb. am 09.10.1878
gefallen am 13.06.1915 in Zezaba in Galizien
Eltern: Thomas Plattner und Philomena Jörl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Archiv-Nr. 6078
19. April 1915 Feldpostkarte aus Miskolz in Ungarn
von Greinhofer Peter Paul an seinen Bruder
Greinhofer Alois in Schlaiten

"Die herzlichsten (Grüße) von hier
sendet dir dein Bruder Peter Paul.
Nikolaus (ein weiterer Bruder)
ist auch hier. Habe ihn leider
nicht getroffen. Wir sind über Marburg,
Pragerhof, Stuhlweißenburg, Budapest
hier her gefahren. Wo es jetzt hin
geht, weiß ich nicht. Herzliche Grüße an alle.

P.P. G.  4. T.K. J. Regmt.
IX Marsch-Battlon, I Marsch Comp.
I. Zug Feldpost 98

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Archiv-Nr. 9384
In Galizien an der sogenannten Südostfront verloren einige Schlaitner ihr Leben:
† 28. August 1914 – Uhnow - Ingruber Paul
† 21. Oktober 1914 – Przemysl – Müller Michael

 

Peter Paul Greinhofer, geb. am 4. April 1879 beim Kasperer in Schlaiten beschreibt in einem Tagebuch seine Eindrücke vom Weltkriege. Es finden sich darin auch einige Zeilen von der Musterung in Hall und vom Abmarsch ins Feld - von Mezzocorona in Trient mit Musik und Fahne. Er beschreibt die Ankunft seiner Kompanie (4. Tiroler Kaiserjägerregiment) in Galizien.
Die Zeit vom 22. April 1915 bis nach Fronleichnam schilderte er sehr eindrucksvoll. Trotz der fürchterlichen Erlebnisse in diesen Wochen, findet sich in den Aufzeichnungen immer wieder auch ein Schuss Ironie: " Welche Lust, Soldat zu sein!" 

Beim "Übersetzen" der Kurrentschrift mussten manche Lücken offen bleiben, teilweise nicht leserlich und teilweise, weil wir einfach den Zusammenhang nicht erfassen konnten. So wie die Bezeichnung Galizien gänzlich aus den heutigen Landkarten verschwunden ist, sind auch viele Orte unter der damaligen Bezeichnung nicht mehr zu finden. Wir sind natürlich froh, wenn diesbezügliche Rückmeldungen einlangen und so die Transkription einigermaßen vollständig wird.  

 


Archiv-Nr. 6104
Tagebuch von Greinhofer Peter vom Oberkasperer, geb. am 04.04.1879. Er fiel bei der zweiten Isonzoschlacht im August 1915. Er war damals bereits in Innsbruck verheiratet und hinterließ Frau und ein Kind. Er schildert in diesem Tagebuch sehr eindrucksvoll die Geschehnisse beim 4. Tiroler Kaiserjägerregiment von Ende April bis Anfang Juni 1915 in Galizien.

1915 Tagebuch für Peter Greinhofer Innsbruck
Eintrag linke Seite: Gebirgs-Batterie Pr. 8, Karpathen Batterie Feldpost 84
E. G. Messinggasse 16 (Elise Greinhofer - Tante von Peter Paul Greinhofer bzw. Frau von Nikolaus Greinhofer)
Landwehrmarodenhaus Zimmer 36 Herrn Militär Pfleger
Anna Hammer bei Herrn Prantl, Oberpost-Verwalter in Heiligkreuz Hall
"Sollte ich fallen, bitte dieses Büchlein meiner Frau Antonia Greinhofer Innsbruck Mentlgasse 14. I. Stock zu senden - wird bezahlt werden."

 

     
     

 

 

 

 

 

22. April 1915 Blechnaca

Den ganzen Tag Arttl. Kampf. 100 Schritte

von unsern Lagerplatze platzen

die russischen Schrapnells u. Granaten.

Keiner macht sich was draus. Während

des Mittagessens eine russ. Granate

gleich neben uns die ersten Verwundeten

von uns. Um 8 Uhr Abmarsch in die

Feuerstellung im Schützengraben, nur

Arttl.-Kämpfe während der Nacht.

23. April 1915 Blechnaca

Um 3 Uhr früh verlassen wir unsere

Stellung und beziehen eine andere

Stellung. Der Arttl. Kampf beginnt wieder.

Den ganzen Tag schlagen die Schrapen

und Granaten rechts u. links ein. Abends

beziehe ich die erste Feldwache kaum

150 Schritte vom Feinde. Eine wunder-

schöne Mondnacht ist es, hell glänzen

die Sterne. Die Karpathen Hügel u.

Kuppen schimmern auf der Stellung.

Uns gegenüber ertönen leise heimi-

sche Weisen von 2 .........

mit Klarinett u. Flügelhorn geblasen

     
 

 

Um 2 Uhr nachts auf einmal fernes

Gewehrfeuer das immer näher kommt

dann beginnen die Kanonen ihr Konzert.

Eine Stunde ein schauriges Bild, Maschinengewehr, Kanonen u. Gewehr

feuer dazwischen leuchten Scheinwerfer Leuchtraketen. Um 5 Uhr endlich Ruhe.

24. April

Die Russen haben die Nacht ihr

Artillerie-Feuer eingestellt, überall Ruhe,

nur rechts vom Dukla-Paß donnern die

Kanonen herüber. Bei uns den ganzen

Tag Ruhe und schönes Wetter. Abends der

Befehl marschbereit zu sein.

25. April

Um 2 Uhr Tagwache, dann Ablösung

durch das 97. Infant.-Regiment. Wir marschieren

über einen Paß, Kaum sind wir drüber,

kommen die russischen Granaten. Um 200 Schritte hinter uns schlagen sie ein.

Allerhöchste Zeit, sonst wäre das

halbe Bataillon kaputt. Marsch bis 12 Uhr

mittags, hier übernachten. Elendes galizisches Nest. Adje

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

26. April

Wir marschieren von 5 Uhr früh von

Usbih bis Gribor. Um 8 Uhr abends

erst Manage - ein furchtbar strenger

Marsch - überall begegnen uns Deutsche

Militär. Übernachten in einer

großen Ziegelfabrik.

27. April

Um 6 Uhr früh Abmarsch über Strozze

Liedliska, Babona, Blabna nach

Cirkobicze ohne Manage bis 6 Uhr

abends. Auf dem ganzen Marsch

begegnen uns deutsche Regimenter u.

deutsche Arttl. Das 1. u. 2. deutsche Garde-

Regiment samt Stab u. allen Alters kommen

Leute gut genährt, kriegen mehr zu

essen als wir u. weniger tragen.

28. April

Um 6 Uhr Abmarsch über die Reichsstraße    

nach   Zaklezin. Wieder lauter deutsches

Militär u. Artillerie auf dem Marsch. Großartig

Einrichtungen. Vaterland ..... sein.

Um 4 Uhr endlich Rast. Zuklezia u. ...

ist sehr schön, nur der Kanonendonner stört

die Ruhe. Flieger kreuzen immerfort.

 

 

 

 

 

 

 

     
 

29. April

Heute endlich Rast. Schönes Wetter u. schöne

Gegend - hier möchte ich lange bleiben.

Starker Kanonendonner rollt über die

Gegend, habe gehört, dass wir morgen in

die Feuerlinie kommen wieder, lieber

als marschieren ist mir alles. Habe gestern

d. Hans Neumair aus Innsbruck getroffen

bei d. 59. glaube d. ganze 14. Corps

ist hier in der Nähe aufgestellt.

Um 3 Uhr nachmt. Abmarsch in d. Feuerstellung

in der Nähe von Zuklezin am rechten Ufer

des Dunajec. Mußte gleich um 7 Uhr

auf Feldwache als ...... Um 12 Uhr

ein furchtbares Granat- u. Maschinengewehrfeuer

auf uns d. Kugeln pfeifen rasend.

30. April

Schon beginnt wieder das Artillierie-Feuer, ein

schöner Tag, aber etwas abgekühlt

durch das Gerücht dass wir in ein paar

Tagen die uns gegenüber befindliche russische

Stellung stürmen müssen! Das wird

furchtbar werden. Ob ich noch zurück-

kommen werde? Wenn nicht, so lebet

wohl Frau und Kind, Geschwister und

Tiroler Berge. Ich hoffe das Beste.

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Ganz in unserer Nähe sind auch

2 Motorgeschütze aufgestellt und

viele andere Artillerie von uns und

abends beziehen wir wieder Feldwache,

kaum 500 Schritte von den russischen .....

1. Mai Höhe 419

Ein wunderschöner Tag bricht an

im Nordosten geht ein Gehöft in

Flammen auf, wir haben auf die

Nachtwache Ruhe. Ich glaube es ist

die Ruhe vor dem Sturm, glaube,

dass es heute Nacht zum Stürmen kommt.

Das wird ein harter Angriff werden.

Die Russen sind furchtbar verschanzt

und verdrahtet, wird - wenn es glückt –

viel Menschenleben kosten. Ich bin

ganz ruhig und hoffe heil u. gesund

zurück zu kommen und hat es Gott

anders bestimmt, so wird es auch

recht sein. Nur Frau u. Kind sind

zu bedauern. aber Gott wird sie

nicht verlassen. Es wäre so schön

hier, wenn dieser furchtbare Krieg

nicht wäre. Also Glück auf!

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

2. Mai Höhe 419

Das war ein furchtbarer Tag, den

werde ich nicht gleich vergessen.

Gestern abends hieß es auf einmal

zum Abmarsch u. Sturm bereit.

Um 6 Uhr Abmarsch. Kaum sind wir

aus dem Schützengraben heraus, so

empfangen uns schon die Russen

mit Pulver Feuer. Glücklich kommen

wir in den schützenden Wald. Nun

geht es langsam vorwärts und gleich

geht der Tanz los. Wir rücken

vor bis uns rundum Feuer

empfängt. Hier vergraben wir uns

und erwarten den Tag, der um 3 Uhr

mit einem furchtbaren Kanonendonner

eröffnet. …die Artillerie schießt rasend.

Um 10 Uhr sind wir auf Sturmweite

an die feindliche Stellung herangekommen.

Um 12 Uhr der erste Sturm - rechter und

linker Flügel, alles umsonst - schon

sind viele Tote bei uns und Verwundete.

Wir ziehen uns in den Wald zurück,

stark beschossen von den Russen und

unserer Artillerie - viele Tote.

 

 

 

 

 

 

 

     
 

3. Mai Höhe 419

Dieser Tag wird ein Denk-Tag

werden in der Geschichte der Kaiserjäger.

Um 3 Uhr früh - sammeln zum Sturm.

Die Russen schießen rasend auch einige

Maschinengewehre sind dort. Noch im Wald

empfängt uns ein Kugelregen, kaum

aus dem Walde heraus geht‘s hurra

gegen den Drahtverhau in einer

Viertel Stunde ist alles vorüber.

Unsere Kompanie liegt tot und verwundet

vor den Drahthindernissen. Von 260 Mann

sammeln sich bis abends noch 52 Mann.

Ich und 9 andere von meinem Zug hingen 200

Schritte vor dem Draht in einem Loch gesund

u. gedeckt, aber unsere Artillerie beschießt uns

selbst, also entweder zurück in den Wald oder

hier sterben. Wir entschlossen uns zurück zu

laufen, einer probierts, kaum ist er aus der

Deckung, ist er auch schon todt. So geht es fort,

von allen 9 kommen 4 zurück, die anderen todt.

Das war ein trauriges Sammeln abends.

Für den nächsten Tag ist wieder Sturm befohlen,

es ist alles umsonst.

     
   

4. Mai

Das war ein Schauen in der Frühe als

die Posten berichten, dass der Ruß nicht

mehr hier sei. Wir wollen es nicht glauben.

Vorsichtig schleichen wir uns bei unseren

Todten u. Verwundeten vorbei an die russisch.

Stellung. Sie ist leer - die Russen sind fort.

Die russische Stellung ist ganz zerschossen von

unserer Artill. Auch einige Löcher von unseren

30.5 Geschützen sieht man. In einem solchen

Loch liegen zirka 180 bis 200 Russen drinn‘.

Nun geht es auf die Verfolgung des

Feindes. Abends haben wir ihn

eingeholt und sofort geht der Kampf los.

Die ganze Nacht keine Ruhe und am

5. Mai

wieder Sturm auf die russiche Stellung.

Viele Tote wieder von uns, kommt

etwas näher abends 7 Uhr in einem

Wäldchen kommen wir in ein schreckliches

Kreuzfeuer, lauter Dum-Dum,

ein Höllenspektakel von diesen

explodierenden Geschossen. Wir kommen

mit wenigen Verlusten davon

aber schreckliches Granaten- u. Schrappen-

     
 

-feuer hält uns in Schach. Um 2 Uhr

früh werden wir von einem Land-

sturm-Bataillon abgelöst. Wir müssen

auf eine andere Front und entfernen

uns wieder von Dunajetz, wo wir

seit 28. April waren.

Vom 6. Mai an beginnt

nun eine schreckliche Marschiererei

Tag und Nach immer hinter den Russen

her. Am 10. Mai passieren wir

Tarnov, das am Tag vorher von

den Russen geräumt wurde. Hier kriegen

wir im Durchmarsch wieder einmal

weißes Brot - russisch. u. Zucker, Zigaretten –

alles besser als bei uns in Österreich –

besonders der Zucker. Die Russen

leiden keine Not, wie bei uns

gesagt wird. Wir marschieren

hinter dem Feinde her in einen

Wald. Dort lagern wir und um

3 Uhr früh werden wir von den Russen

überfallen. Von 3 Seiten schießen sie

auf uns. Nur die Geistesgegenwart des

Bataillons-Kommandanten und die Unkenntnis

der Russen über unsere Stärke

     
 

 

beschützen uns vor der Gefangennahme

oder Aufreibung. Der Kampf dauert

bis 4 Uhr nachmittag. Hier greifen

deutsche Truppen ein und nun geht's

wieder vorwärts. Viele Verluste.

Wir marschieren nun kreuz und

quer durch Galizien dem Feinde nach

und be……. die Orte Bobova

hier wieder starke Kämpfe. Dann nach

Dodinarski und Kolbusbonja.

Hier treffen wir das 1. und 3. T.K.J.Regiment

Von hier nach Witca-wola,

Cisloba, Jertschube eine 3 Kilometer

lange schöne Ortschaft. Von hier dann

nach Rudnik am San, den wir hier

das erste mal erblicken. Abends d. 14.

sollten wir Rudnik stürmen mit

56 Mann u. 2 Maschinengewehren. Wurde

Gott sei Dank nichts draus, sonst wären

wir alle kaputt gewesen - alle todt-

müde u. hungrig. Die Nacht greifen

uns die Russen an. Wir schlagen sie

zurück und früh morgens haben die

Luders die Stadt schon geräumt.

Wir marschieren in die Stadt und gleich

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

wieder durch auf eine Eisenbahn-

strecke nach Strozza und zu einer

Bahnkreuzung, die nach Premißl und

Lemberg führt. Hier beziehen wir

wieder einmal eine Stellung, die erste,

seit wir von Dunajetz weg sind.

Auf diesem Platze 1000 Schritte vom

Dan und 500 Schritte vom Feinde

entfernt, befindet sich eine große

Begräbnisstätte von den Schlachten

im Oktober und November mitten im

Walde bei einem Bahnwächterhäuschen.

Hier sind wir nun ein paar Tage

15. 16. 17. Mai und rasten uns aus.

Habe gehört, dass es in ein paar Tagen

wieder zum Angriffe kommt gegen die

russische San-Stellung - wird wieder

viele Leute kosten. Unsere Artillerie schießt

schon fleißig, ist überhaupt sehr

brav, wenn sie nicht auch auf uns

hie und da schießen würde. Scharschen haben

wir keine mehr von früher - alle todt

oder verwundet.   Unser Zug war gestern

noch 17 Mann stark und die Comp. trotz Ergänz.

70 Mann noch übrig. Wie wird das enden?

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

18. Mai

Der erste Tag seit wir die Defensive

angegriffen haben, dass wir nicht kämpfen.

Nur Artillerie-Kämpfe finden statt.

Wir sind alle so kaputt von den großen

Märschen und ununterbrochenen Gefechten,

dass wir nicht so viel sind, uns Wasser

zu holen, trotz schrecklichem Durste.

Ich hätte nie geglaubt dass der Mensch

so was aushalten kann. Wenn

die Rast nur lange dauern

würde, aber es kommen schon

wieder die Zeichen etwas nahe

Bevorstehenden. Um 1/2 6 Uhr abends

marschieren wir ein wenig vor an

den Waldrand und graben uns

eine neue Verteidigungslinie.

Um 12 Uhr wurden wir abgelöst.

19. Mai

Um 3 Uhr morgens weckt uns schon

wieder Kanonendonner und nun

beginnt ein höllisches Konzert

von Granaten, Schrapnels, Kartätschen,

Maschinengewehr und Gewehrfeuer, dass

es ein ganzer Graus ist.

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Wir sind noch in Reservestellung

aber dem feindlichen Artilleriefeuer

viel stärker ausgesetzt. Vor den

Schrapnells schützen uns notdürftige

Deckungen aber die Granaten schlagen

vor und hinter, rechts u. links von uns

ein in großer Zahl. Der ganze Wald

stinkt von dem Rauch. Die Sanität trabt

Patrouille für Patrouille mit Leicht- und

Schwerverwundeten an uns vorbei,

mit graußigen Granatwunden u.

Dum-Dum. Einige Meter um ...

uns schlagen 8 bis 10 Granaten und

40 bis 50 Schrapnell ein, ein ekelhaftes

Gefühl - und sich nicht wehren können.

Um 12 Uhr endlich heißt's auf und vorwärts

dem anrückenden Feinde entgegen.

Ganz froh stürmen wir vorwärts

am Waldrande halten wir und

nun geht's los auf den auf freiem

Felde in Schwertlinien vorrückenden

Feind. Ein schreckliches Kleingewehr-

feuer, zuerst ... dann Schnellfeuer, dann

Einzelfeuer lichtet die feindlichen

Reihen; ununterbrochen schiebt

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Wir sind noch in Reservestellung

aber dem feindlichen Artilleriefeuer

viel stärker ausgesetzt. Vor den

Schrapnells schützen uns notdürftige

Deckungen aber die Granaten schlagen

vor und hinter, rechts u. links von uns

ein in großer Zahl. Der ganze Wald

stinkt von dem Rauch. Die Sanität trabt

Patrouille für Patrouille mit Leicht- und

Schwerverwundeten an uns vorbei,

mit graußigen Granatwunden u.

Dum-Dum. Einige Meter um ...

uns schlagen 8 bis 10 Granaten und

40 bis 50 Schrapnell ein, ein ekelhaftes

Gefühl - und sich nicht wehren können.

Um 12 Uhr endlich heißt's auf und vorwärts

dem anrückenden Feinde entgegen.

Ganz froh stürmen wir vorwärts

am Waldrande halten wir und

nun geht's los auf den auf freiem

Felde in Schwertlinien vorrückenden

Feind. Ein schreckliches Kleingewehr-

feuer, zuerst ... dann Schnellfeuer, dann

Einzelfeuer lichtet die feindlichen

Reihen; ununterbrochen schiebt

 

 

 

 

 

 

 

     
 

21. Mai

war eine heiße Nacht. Die meiste

Zeit vergeht mit gegenseitigem

Gewehrfeuer, um 11 Uhr mischt sich

in dieses Feuer plötzlich das Hurra

der Russen. Ihr Angriff bricht in unserem

Feuer zusammen. Noch ein paar mal

versuchen sie uns zu vertreiben.

Aber hier stehen Tiroler Jäger wie

ein Mann. Sie sind glaube ich, in

5-facher Übermacht aber es nützt ihnen

nichts. Endlich graut der Morgen und

sie stellen den Angriff ein mit vielen

Verlusten. Bei uns sind nur 2 Tote und

16 Verwundete. Meine Kompanie steht

wie immer in einer sehr schlechten

Stellung, von vorn u. von rechts und

links Feuer. Abends vertreiben wir

den Feind aus der nächsten Nähe

mit Handgranaten - sind Ludern

die Handgranaten. Die Nacht beginnt.

Wir haben wieder eine Verstärkung

gekriegt. Jetzt bringt er uns nicht

mehr heraus, außer unsere Artillerie läßt

uns im Stich. Der Russ‘ schießt rasend.

 

     
 

 

22. Mai

Die Nacht war nicht so arg wie die

letzte, nur gegenseitiges Gewehrfeuer

die ganze Nacht. Die Russen haben es

sich überlegt, uns zu stürmen und

wir können es erst recht nicht.

Rechts von uns kämpft das 3. Regiment

und Husaren u. ..... rechts das

1. Regiment und 14er und das 3. Bataillon ...

uns. Diese mußten ein Stück

zurück weichen, waren zu schwach.

Um Mittag überschütten sie uns plötzlich mit einem

heftigen Artillerie-Feuer. Hier sehe ich, dass auch

ein Brief aus der Heimat den Tod bringen kann.

Wir sind wie immer ganz vorne an der

schlechtesten Stelle - ein Kamerad bringt uns

von rückwärts die Post aus der Heimat.

Wie immer laufen alle zusammen. Einer liest

mit strahlenden Augen einen Brief seiner Frau,

der andere von seiner fernen Geliebten, der

Dritte öffnet schmunzelnd ein Paket und so fort.

Ich habe 2 Karten von meiner Frau und einen

Brief von Sch. Anna bekommen gerade will ich

ihn öffnen, da ein Blitz, ein furchtbarer Knall

und alle liegen wir auf dem Boden ganz

 

 

 

 

 

 

 

     
 

überschüttet mit Sand. 3 Kollegen

stehen nicht mehr auf. Für sie ist der

Gruß aus der Heimat der letzte gewesen.

Wir andern wühlen uns aus dem Sande

heraus und schauen uns gegenseitig an.

Ganz weiß wie Kalk ein jeder. Eine

Granate war es, die bei uns eingeschlagen.

Mein Gewehr und das eines Kollegen sind

so zerschlagen, dass man es nicht mehr als

Gewehr anschaut. 3 andere Kollegen sind

noch verwundet - nicht schwer - werden noch

davon kommen. Ich habe wieder Glück

gehabt, nur das Gehör ist ausgeblieben.

Hoffentlich wird's wieder besser. Jetzt

wird's immer schlechter. Die Granaten u.

Schapnell kommen immer dichter auf

unseren rechten Flügel. 80 Schritte von uns

sind schon 3 Volltreffen in die Deckung

gefahren - wieder Tote und Verwundete.

Ich denke mir, nun kommt auch für

mich der letzte Tag angerückt.

Da um 5 Uhr abends kommt eine Ordnung ?

gelaufen mit einem Befehl - wir werden

abgelöst. Wie himmlische Musik klingt

die Botschaft. Von Mund zu Mund geht sie

     
 

so schnell hat noch kein Befehl das

andere Ende der Schwarmlinie erreicht.

Noch ein paar Stunden und wir sind

wieder für einige Tage Menschen. Endlich

läßt auch das feindliche Artillerie-Feuer etwas

nach und um 8 Uhr erscheinen unsere

Ablöser - das. 3. Tir. Kaiserjäger-Regiment. Ich

habe noch keine Stellung so gern verlassen

wie diese, sie war auch .....daru... 150 Schritte

vor uns d. gut eingegrabene Feind und

von rechts und links Flankenfeuer. Wir

sammeln uns hinter der Schwarmlinie

hastig beschossen von der russischen Infanterie

u. marschieren zurück zum Regiments-Kommando

bei einem Bahnwächterhaus zwischen Rudnik

und Bessiak. Hier wird übernachtet und morgen

Pfingstsonntag sollen wir noch weiter

zurück in ein Dorf kommen. Bei diesem

Bahnwächterhaus befindet sich ein schon

vorher erwähnter Waldfriedhof vom

Herbst. Hier werden auch die jetzigen

Todten begraben, ziemlich viele sind

es schon. Ein letztes Vaterunser dafür

ein letzter Gruß für die Armen, die ihre

Heimat nicht mehr sehen. Kriegertod.
     
 

 

23. Mai - Pfingstsonntag 1915.

Um 2 Uhr nachtmittags wird von d. Bahnwächter-

haus, bis jetzt Regiments-Kommando Spital und

Verbandsplatz fungiert hat abmarschiert.

Das waren schöne Stunden von gestern

abends 9 Uhr bis heute 12 Uhr - die erste

Ruhe seitdem ich eingerückt bin. Hoffentlich

bleiben wir einige Tage in dem Dorfe

das wir nach 3 stündigem Marsche erreichten.

Hier Manage, Kaffee, Fassung und Wasser,

wieder einmal einen vollen Bauch. Das

Gewand wird schon bedenklich groß und weit.

Auch trage ich schon einen kräftigen

Wollbart, was ich erst heute sah, als ich

mich das erste Mal seit 1. Mai gewaschen

habe. Meine Lieben würden staunen,

wenn sie mich sehen würden. Heute

erfahre ich aus einem Brief, dass es mit

Italien auch schon los gehe oder schon

losgegangen sei. Ich würde lieber

gegen Italien kämpfen, als hier in

diesem Luder-Lande - alles Lehm und

Sand und wieder Lehm und Sand.

Hoffentlich ist's nicht wahr mit Italien,

sonst werden wir auch mit diesen

Katzelmachern noch fertig werden.

 

 

 

 

 

 

 

     
 

24. Mai Pfingstmontag 1915

Heute auch noch Rast und Ruhe, nur

etwas restaurieren und putzen und essen.

Heute ist auch der übrige Teil des Regiments

hier angekommen. Bin neugierig, wo

wir hin kommen. Einige meinen nach

Italien. Da würde es wieder marschieren

heißen. Wir sind hier in Jertschube,

einem 7 Kilometer langen Dorfe, wo wir

auf dem Hermarsch Rast halten. Die

Nacht habe ich Kompanie-Inspektion. Ganz

nahe tönt der Kanonendonner, Granat- u.

Maschinengewehrfeuer, doch sie vergeht

ohne Alarm, ganz ruhig für uns.

25. Mai Nowaselec

Morgens früh erfahren wir, dass der

Krieg mit Italien schon erklärt sei.

Gleichzeitig beginnt rechts und vor uns

ein furchtbares Infanterie- und Maschinengewehr-

feuer. d. Kanonen bzw. zu donnern. Salve

auf Salve tönt zu uns herüber. Die Russen

haben wieder einmal einen Sturm-

angriff gemacht, aber erfolglos wie

d. Telefon meldet, sonst hätten wir

zur Verstärkung hinaus müssen.
     
 

 

Gestern hieß es auf einmal: Vergattern,

antreten. Wir glaubten, wir müssen

fort, aber es war was anderes. Nachdem

wir in ein Carre aufgestellt waren,

ritt der Regiments-Kommandant, Oberst von

Lercher mit den Offizieren ins Carre.

Bewegten Herzens verliest er ein

kaiserliches Handschreiben und

eines vom Divisionär, wo wir für

unsere Tapferkeit belobt und dem Tiroler

Jägerregiment I, II u. IV der allerhöchste

Dank ausgesprochen wurde. Ich glaube,

wir haben es auch verdient, da die

betroffenen Regimente haben heute

nicht mehr ein Drittel ihres Standes

seit 2. Mai, alle anderen todt und

wenige verwundet. Ich weiß nicht, wo-

her sie uns ergänzen werden.

Wenn es mit diesen Sau-Wallschen

auch noch losgeht, werden sie uns wohl

verdrießen, aber nur nicht verzagt sein.  

Ich möchte lieber gegen diese hinterlistigen

Katzelmacher kämpfen, als gegen die

unwissenden Russen und Asiaten.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Diese Sau-Wallschen sollen wir noch

sauber durchhauen. Im Sommer müssen

sie alle nach Österreich und Deutschland

gehen, dass sie nicht verhungern - und jetzt

erklären sie uns den Krieg. Es wird

ihnen keine Rosen tragen. Gegen

die Italiener würde ich mich freiwillig

melden, wenn ich nicht schon im Feld

stehen würde. Diese niederträchtige,

scheinheilige und hinterlistige Baggasch.

Wir bleiben auch diese Nacht noch hier.

Jetzt gehen wir schlafen, ganz nahe tönt

ein starkes Gewehrfeuer durch die Stille

Nacht. Unsere Kameraden halten gute

Wacht. Morgen kommt vielleicht an

uns wieder die Reihe zu kämpfen.

Angriff, glaube, können wir keinen

mehr machen. Dazu sind wir zu schwach.

Ich habe gehört, unser Regiment hat

einen Stand von 1200 Mann alles

gerechnet: Stab, ...... Maschingewehr,

Telefon-Abteilung und Sanität.

Im Anfang war ein Battailon mindestens

so stark wie jetzt das ganze Regiment.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

26. Mai Nowoselec

Wir sind auch heute noch hier in

d. Kaserne unglaublich das, doch es

that wirklich Not einmal. Wir

waren alle schon beinahe auf den

Hund. Wenn wir nur ein paar

Wochen hier bleiben könnten, obschon

man hier absolut nichts kriegt. Aber

schon gar nichts, nicht einmal Milch

oder Eier, Brod oder Zucker, einfach

gar nichts als Läuse u. nochmals

Läuse. Ich bleibe ziemlich verschont.

Es ist ein schönes Bild: Rechts und links

von der Straße in den Roggenäckern

sieht man hunderte von Jägern –

halb oder ganz nackt Jagd machen

auf die kleinen Plagegeister.

Auch unsere Offiziere bleiben nicht

verschont. Gestern mußte ich mit einer

Meldung ins Bataillons-Kommando u. gerade

treffe ich unseren Bataillons-Adjudant

Leut. Schrattmayer beim Auslausen.

Diese Ludern machen auch vor

goldenen Sternen u. Kriegen

keine Ausnahme.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Um 10 Uhr vormittags wirds auf

einmal lebendig. Antreten heißt's

mit Bajonett und ...schung. Dann

marschieren wir in ein Kornfeld

links der Straße duch das Regiment

aufgeteilt in Carre. Jetzt kommt

das Offiierskorps. Laut und feierlich

wird der Armeebefehl seiner k. k.

Majestät anlässlich der Kriegserklärung

Italiens an Österreich verlesen

und auf die schmähliche Haltung

unseres Bundesgenossen hin-

gewiesen. Ein freundlicher Apell

an das Regiment, auch dem neuen

Feind nicht zu weichen schließt der

Hauptmann mit einem dreifachen

Hoch auf unseren Kaiser und Kaiser

Wilhelm I. Dann wird uns eine

Nachschrift zutheil, die unter der Mannschaft

ungeheuren Jubel auslöst - nämlich

die Nachricht, dass wir von Galizien

fort und nach Tirol gegen den Walschen

kämpfen sollen. Der Brigadier

hat beim Armeeoberkommando

telegraphisch auf Wunsch seine

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Truppen um die Versetzung

des Korps nach Tirol gebeten.

Hoffen wir, dass unser aller

Wunsch erfüllt wird.

Der Abend ist wunderschön, der Mond

scheint, dass es beinahe taghell ist. Von

allen Seiten tönen Tiroler Lieder in

die Nacht hinaus, einige schwermütig

traurig, andere wieder hell auf und

jodelnd freudig bewegt und hoffend

auf die Nachricht, dass es nach Tirol gehe.

Ich spaziere durch das Dorf und beobachte die

Leute. Alles untereinander: Tiroler,

Salzburger, Ungarn, Böhmen, alle

ein Volk von Brüdern, alles erfüllt?

über die Niedertracht dieses wallschen

Hundes. Ihr könnt Euch freuen, ihr

Katzelmacher, wenn wir hinein

kommen sollten. Wir werden euch

das Lederzeug schon anstreichen?

Jeder sagt sich, dass wir gegen die

wallischen Hunde keinen Pardon

kennen werden, also freut Euch

 

 

 

 

 

 

     
 

 

27. Mai Nowoselec

Der eine Tag schöner wie der andere.

Besonders wenn man nicht zu thun

hat und sich waschen kann und

sich der kleinen Viecher entledigen

kann. Die letzte Nacht hörten wir nicht

viel Gewehrfeuer. Hoffentlich ist der Russe

wieder ein Stück zurück gegangen.

Mit Sehnsucht erwarten wir Nachrichten

aus der Heimat und über die Vorkommnisse

auf unseren südlichen Grenzen, wären

wir nur schon dort. Das dritte Bataillon

rückt wieder nach vorn, man hört –

als Reserve, da man einen russischen

Gegenstoß auf unsere Stellung fürchtet.

Jedenfalls kommen auch wir wieder

in Stellung gegen die Russen und aus

unseren Hoffnungen nach Tirol zu

kommen - wieder nichts. Abends besucht

man sich gegenseitig, treffe mehrere

Bekannte wieder aus Tirol u. aus

Innsbrucks Umgebung. Der Kriegs-

lärm ist hier beinahe verstummt, ganz

von ferne tönt Kanaonendonner

herüber aus der Gegend v. Liska.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

28. Mai Nowoselec

Heute auch noch hier. Unglaublich

solch lange Rast. Die meisten möchten

schon wieder fort. Die Manage

ist sehr karg, viel Hunger und zum

Rauchen absolut nichts. Wir würden

1 Krone geben für 1 Liter Milch,

aber umsonst. Der Krieg hat alle

Theorie über Verpflegung, Leistung

und besonders über Gesundheitslehre

und Hygiene über den Haufen geworfen.

Was besonders gegen letzteren Punkt

gesündigt wird, darüber würden

unsere weisen Doktoren und Lehrer

die Hände zusamenschlagen. Nur

ein Beispiel unter so vielen möchte

ich anführen: Es war nach dem

Durchbruch der Stellung 419 am Dunajetz.

Wir sind auf Verfolgung des Feindes.

2 Tage und 2 Nächte Marsch und Kampf

ohne Manasch und Wasser. Um 4 Uhr

nachmittag eine kurze Rast. Dann

Heißt‘s wieder stürmen. Nebenan

ein langer Moostümpel, darin

schon hunderte ihre Notdurft

 

 

 

 

 

 

     
 

 

verrichtet haben und die Gerippe

halbverfault von 2 Pferden liegen

Darin. Doch mit welcher Wollust

saufen wir das Wasser davon

obschon es beinahe nicht mehr

fließend ist vor Unrat.

Man möchte glauben, wir müssen

alle kaputt sein.

28. Mai Nowaselec

Abermals ein Tag der Rast. Nun

hält uns d. Oberleutnant eine lange

Predigt über den Sturmangriff

im Allgemeinen und gegen die Russen

im Besonderen. Mir scheint gar,

wir müssen wieder zurück in

unsere alte Stellung am Dunajetz

dort gegen die russischen Stellungen

Sturm machen. Dann adje

mein Land Tirol. Dann ist das

4. Tiroler Kaiserjäger-Regiment gewesen. Viel

ist so nicht mehr übrig davon.

Hoffentlich wird nichts daraus.

Nachmittag ein bissel exerzieren am Platz.

Abends um 10 Uhr beginnt wieder

 

 

 

 

 

 

     
 

 

ein lebhaftes Gewehrfeuer

von unserer früheren Stellung her. Auch

Maschinengewehr tönt dazwischen und

die Kanonen beginnen ihren Bass.

Salve kracht auf Salve, der Russe will

jedenfalls wieder einmal durch-

brechen. Unsere Kollegen werden es

ihm schon austreiben. Um 12 Uhr

wird wieder Ruhe. Wir glaubten

alle, wir müssten zu Hilfe kommen.

29. Mai Nowoselec

Ruhig bricht wieder ein Tag an.

Etwas regnerisch - gut für d. Fluren,

die ganz ausgetrocknet sind. Vormittag

wieder etwas Gewehrgriff und exerzieren

zur Unterhaltung. Gestern das erste

mal was zum Kaufen gekriegt,

einen Laib Brod um 4 Kronen.

Etwas teuer aber Hunger thut weh.

Die Post und Pakete aus der Heimat ist

angekommen. Für mich nichts und jetzt

hätte man Zeit zum lesen und essen,

wenn man nichts zu thun hat, hat

man auch immer Hunger.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Um 1/2 5 Uhr ist Abmarsch in die Feuerstellung.

Wir lösen das erste Regiment ab. Ein

paar Bekannte getroffen: Den Hausmann

vom Adambräu, den Höttinger, ein

strammer Zugsführer. Die Stellung, die

wir beziehen ist tadellos ausgebaut,

schöne Schrapnell-Deckungen und Schlaf-

gelegenheit für jeden Mann, nur sind

wir die Hälfte zu wenig Leute, um

diesen Raum auszufüllen, alle 10 Schritt

ein Mann. Die Russen schießen die ganze

Nacht, bald stärker, bald schwächer und

lauter Dum-Dum. Wir antworten

ihm gar nicht - nur streng beobachten.

30. Mai 1915 - Stellung

Wir haben ziemlich strengen Dienst,

2 Stunden und dann 2 Stunden

schlafen aber mindestens beinahe

kugelsicher nur auf der Feldwache

ist's etwas kitzlig. Der russische ...

ist nur 50 bis 60 Schritte entfernt. Die

russische Stellung überhaupt ist

von der unseren zirka 300 Schritte

entfernt. Bei Nacht hört man sie

reden.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

 

Nachmittag erhalten wir Befehl, uns für die

Nacht bereit zu halten, da nach Aussage

eines gestern gefangenen russischen Offiziers

für heute Nacht ein Angriff auf der ganzen

Front stattfinden soll. Um 5 Uhr beziehen

wir Fassung und zwar eine tadellose:

Brot, Tee, Kaffee, Zucker, Zigaretten, Zünd-

hölzer, Rum Schokolade, Speck und Käs von

jedem ein wenig. Dann wird noch ein guter

Tee mit Rum gekocht. Der erste Alkohol seit

Abmarsch ins Feld. Nun richtet sich jeder für

den Sturm vor 250 bis 300 Patronen, Hand-

granaten und Leuchtraketen?, genug. „Nun konnst

kommen verdammter Moskali“. Wir spielten

ihm dafür einen Possen? Um 10 Uhr erhalten

wir Nachricht, dass unsere Truppen die Festung

Premissl (Przemysl) wieder zurückerobert haben!

Auf Befehl des Bataillons-Kommandanten mussten wir

auf ein Zeichen von ihm alle aus ganzer

Lunge "Hurra" schreien. Die Wirkung

war fürchterlich. Die Russen die glaubten,

wir wollten stürmen, eröffneten ein

furchtbares Gewehr- Maschinengewehr- und

hauptsächlich Artilleriefeuer auf unsere

Stellung. Das Artillerie-Feuer war so

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     
 

 

stark, dass sekundenweise der ganze Erd-

boden zitterte. Die Schrapnells kamen

salvenweise. Granaten Gott sei Dank

nur wenige, vor den Schrapnells sind

wir sicher. Wir rauchen unsere Zigaretten,

als ob nichts wäre und beobachten scharf

den Feind. Doch dieser traut sich nicht zu

stürmen. Hätt's ich (ihm) auch nicht geraten.

Nach drei Viertelstunden, nachdem er

eine Unmenge Munition verknallt,

beruhigt der Feind sich wieder. Unser

Hurra ist ihm in die Nerven gegangen.

Nach Mitternacht beziehe ich Feldwache – keine

angenehme Beschäftigung 200 Schritte

vor dem sturmbereiten Feind. Doch

er hat es sich überlegt scheint's. Der

letzte Teil der Nacht verläuft ganz

ruhig.

31. Mai Stellung

Der Vormittag vergeht ziemlich ruhig.

Auf Mittag überschüttet uns der Feind plötzlich

mit einem starken Artilleriefeuer. Es ist so

ziemlich wirkungslos bei unserer schrapnell-

sicheren Deckung. Nur ein paar Granaten

verwunden einige. Abends hören

 

 

 

 

 

 

     
 

 

wir die Russen singen, gar nicht schlecht.

Unsere Offiziere sagen, heute kommt ein Angriff

und er ist gekommen. Ich beziehe um 12

Uhr Feldwache, bisher alles ruhig. Um

1 Uhr von fern ein Kanonenschuss

und nun war die Hölle los. Wir

Wachen sind auf einem sehr schlechten Platz.

Von 3 Seiten russisches Feuer und von rückwärts

von Unseren. Ich sollte horchen, aber das

war unmöglich bei diesem Getöse. Auf

einmal habe ich 8 Schritte vor mir den

Feind. Schnell einige Schuss drein feuern,

Dann zurück zur nächsten Wache. Diese glaubt

mir nichts, hat nichts gesehen. Um uns

schlagen die Schrap. und Granaten lagenweise

ein. Da schlägt 20 Schritte vor uns eine

Granate ein im Wald und beleuchtet ihn auf

ein paar Sekunden, genügend, um zu

sehen, dass der Feind sich im Kampflärm

bis auf 20 Schritte an uns herangeschlichen

hat. Nun schnell einige Schuss zur

Alarmierung unserer Leute und dann

schnell heraus aus dem Straßengraben

in den gegenüberliegenden Wald in

unsere Deckung. Dieser Rückzug

 

 

 

 

 

 

     
 

 

vom Schlechtesten etwas, was mir bisher

unterkam. Dieses furchtbare Artilleriefeuer,

dann das russische Gewehr- und Maschinengewehr-

feuer und schon fangen die Unseren auch

zu schießen an. Einmal stolpere ich über

ein Drahthindernis, schnell wieder auf und

zurück. Endlich erreiche ich unsere Deckung.

Kopfüber stürze ich hinein und bin für

den Augenblick gerettet. Aber auch in die

Deckung schlagen schon die Granaten ein.

Kaum 20 Schritte in der Deckung zurück

zu meinem Stand und schon stolpere ich

über den ersten Todten. Nun geht's auch

bei uns richtig los, ein Höllenspektakel.

Nach einer Stunde, nachdem der Feind

gesehen, dass er nicht durch kann, wird

es langsam ruhig, doch mit Schlafen

geht nichts.

1. Juni

Kaum dass der Tag graut und schon

beginnt der Feind wieder das Artilleriefeuer.

Den ganzen Vormittag dauert's an.

Unsere Flieger berichten, dass der Feind

große Verstärkungen herangezogen hat

und wir haben keine Reserven mehr.

 

 

 

 

 

 

     
 

 

Wir fürchten alle über die Nacht einen

neuen Sturm. Wir sind, fürchte ich, viel

zu schwach. Der Feind hat, scheint mindestens

4-fache Übermacht. Auch mit der Artillerie

ist er hier viel stärker als wir.

Wenn er uns nur nicht zurück

schlägt. Dann müssen wir vielleicht auf

der ganzen Linie zurück gehen. Doch

hoffen wir das Beste. Der liebe

Gott wird uns Tiroler nicht verlassen.

Den ganzen Tag beschießt uns der Feind

mit Artillerie. Doch es ist nicht so arg

mit den Verwundet(en). Abends wird alles

bereit gemacht, aufgepasst, Munition

in Masse vertheilt. Ich nehme mir 200

in den ...... und 200 neben mich.

Dann kriegen wir Handgranaten und

Leuchtraketen, alles bereit, dann noch

einen Tee mit Rum und nun kann's

losgehen. Es ging aber nicht stark

los bei uns, links und rechts starkes Feuer

links von uns Landstürmer graue?

dann Deutsche. Rechts das 3. Regiment

Stonved ? und Teile vom 2. Regiment.

 

 

 

 

 

 

     

Archiv-Nr. 6003-9
Greinhofer Peter Paul, Kasperersohn in Schlaiten
geb. am 04.04.1879, gefallen 1915 in Doberdo
bei der 2. Isonzoschlacht
Peter Paul war in Innsbruck verheiratet

 

 

Am 31. Juli schreibt er seinem Bruder Alois Greinhofer: Lieber Bruder! Die herzlichsten Grüße von meinem neuen Standplatz sendet Dir Dein Bruder Peter Paul. Mir geht es ganz gut hier, bin gesund, nur sehr heiß und wenig Wasser. Ich bin hier auf einem vielgenannten Kriegsschauplatze, es geht heiß her, sehr starkes Artilleriefeuer - besonders von Schiffsgeschossen, aber er kann nicht durch der wällsche Verräter - trotz allem. Es sind sehr tapfere Regimenter hier. Es ist eine schöne Gegend hier, ich hätte es nicht geglaubt. Johann Lumaßegger, Röschbauer, den ich in L. getroffen, wird dir vielleicht schon gesagt haben wo wir hin gefahren sind. Wir sind von dort dann rechts gefahren. Kannst dir schon denken wohin. Wie geht es bei Euch in Schlaiten? ……. Auf Wiedersehen Dein Bruder Peter Paul!“

Auf der Feldpostkarte ist handschriftlich angefügt „vom 1. bis 4. an der Isonzofront gefallen“

Demnach ist Peter Paul unmittelbar nach dem Absenden dieses Briefes bei der Zweiten Isonzoschlacht gefallen. In der Feldpost durften keine genauen Ortsangaben gemacht werden, daher war in den Briefen nur von Standort oder Standplatz die Rede. Peter Paul Greinhofer war 35 Jahre alt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

     

     
     
      
  Archiv-Nr. 5071
Mai 1916

v.l.: Greinhofer Alois vlg. Kasperer
unbekannt ?
und Brunner Albert vlg. Unterhainzer / Glanz
Text auf der Rückseite der Karte:
"Erinnerung an meine Stellung (Musterung)
am Mai 1916 in Lienz -
Heil u. Sieg dem Vaterlande - Alois Greinhofer
     

Archiv-Nr. 9348
4. Mai 1916 - Feldpostkarte von Waldner Karl vlg. Obertschellnigbauer, geb. am 28.05.1869. Er diente im 1. Weltkrieg
beim III. Kaiserjäger-Regiment.
Wortlaut der letzten Feldpostkarte an seine Schwester Petronilla -
geschrieben am 4. Mai 1916:
Telfs am 4. Mai 16 Liebe Schwester! Berichte Dir, dass ich heute abends von hier aus ins Feld gehe zu den Italienern
hinein. Bin ganz gefasst und fürchte mich gar nicht, wenn ich euch nicht mehr sehen sollte, so bitte ich euch,
mir alles zu verzeihen und meiner im Gebete zu gedenken. Schreibt mir nicht mehr zurück bis ich wieder schreib,
aber dann bitte ich, mir Nachricht zukommen zu lassen.
Es grüßt euch alle Karl Waldner. 

Die Eltern von Karl und Alfons Waldner waren Johann und Anna, geb. Hatzer.  Beim Obertschellnig waren 9 Geschwister.

     
Archiv-Nr. 148-1 und 6003-4
Nur 13 Tage nach der Versetzung an die Front am Monte Sief, wurde Karl Waldner vlg. Obertschellnig
am 17. Mai 1916 durch eine Handgranate tödlich verletzt.
     
     

Archiv-Nr. 147
Pedarnig Johann, vlg. Pedarnig, geb. am 16.10.1877, gest. am 17.05.1916
Eltern: Pedarnig Peter Paul, vlg. Pedarnig und Pedarnig Maria vom Gruber in Schlaiten

  


Archiv-Nr. 2921
Feldpostbrief von Johann Pedarnig, Pedarnig-Bauer in Göriach an seinen Vater Peter Paul Pedarnig
Johann Pedarnig, geb. am 16.10.1877 ist 8 Tage nach Verfassen dieses Briefes durch eine Handgranate an der Dolomiten-Front im Kampfe für sein Heimatland am 17. Mai 1916 gefallen.

Standort am 7. 5. 1916
Lieber Vater! Euren Brief hab ich gestern mit Freuden erhalten, wofür ich bestens danke. Habe leider auch erfahren dass die Schwester schon längere Zeit kränklich sei - gebe Gott dass es nicht so gefährlich sei und bald genesen möge. Daß es mit dem Braun1 so gut ausgegangen freut mich sehr - wenn ich nur auch das Glück hätte, nach Hause zu kommen und Euch und das ganze Hauswesen wieder zu sehen und mit Euch arbeiten zu können. Wie sehne ich mich danach obschon ich jetzt so gar keine Kraft mehr habe, ich kann gar nicht begreifen, dass so gar keinen Atem habe, wenn ich bergauf gehen muß. Ich war doch immer gesund bisher und bin es heute noch. Nur ein paar Tage war ich etwas schlecht beisammen, da hat mir vielleicht der Speck nicht gut getan den ich gefasst habe, ist halt auch nicht recht zubereitet.
Es geht mir nicht schlecht hier aber es bleibt halt doch sehr gefährlich bei solch grausamer Schießerei - wenn ich hier einmal glücklich fort wäre, aber man kann zwar nichts sagen wie vom Herrn bestimmt ist - es kann hier (gut) ausgehen und an einem (anderen) Ort unglücklich werden. Hoffen wir das Bessere.
Bezüglich der Kriegsanleihe-Zeichnung überlasse ich Euch freies Verfügen, ich bin ganz einverstanden etwas zu zeichnen aber nicht zu viel damit man doch mehr freie Hand hat, wenn hie und da eine Gelegenheit sich zeigen würde. Ihr mögt tun gerade wie ihr wollt, ich bin mit allem einverstanden und auch mit der Höhe des Betrages könnt Ihr tun nach Eurem Gutachten;
Ich schließe mit vielen Grüßen an alle im Hause und bleibt gesund auf ein fröhliches Wiedersehen
Euer dankbarer Sohn Johann Pedarnig

1 Mit dem Braun ist das Pferd gemeint

 


Archiv-Nr. 7347
Erinnerungstafel (Kriegschronik) an den 1. Weltkrieg für Pedarnig Johann vlg. Pedarnig in Göriach
Schütze im 3. Kaiser-Schützen-Regiment. Er rückte am 1. August 1914 zur Bahnsicherung nach Lienz ein, wurde Ende November 1914 nach Bruneck zum 3. Kaiser-Schützen-Regiment versetzt, zog bei der italienischen Kriegserklärung ins Feld zu den Kämpfen am Col di Lana und erlitt dort am 17. Mai 1916 durch eine Granate den Heldentod fürs Vaterland.
Requiescat in pace.

Nach dem Tod von Pedarnig Johann heiratete seine Schwester Maria im Jahre 1920 den aus Matrei í. O. stammenden Wibmer Jakob und sie übernahmen den Pedarnighof in Göriach.
Die Kriegschronik für Pedarnig Johann wurde erst nach 1920 angefertigt, da auf der gleichen Tafel auch Wibmer Jakob als nächster Pedarnigbauer angeführt ist. Die Ehrung mittels Chronik galt also auch jenen, die vom Kriege wieder unversehrt, bzw. relativ heil heimgekommen sind:
Jakob Wibmer, Schütze im Standschützen-Batiallon Lienz. Er rückte am 19. Mai 1915 zum Standschützen-Bataillon nach Lienz ein, zog mit dem Bataillon an die Front nach Cortina in die Stellung Il falle ?, kam wegen einer Infektionskrankheit ins Spital nach Bruneck - Sterzing - Innsbruck und wurde Ende Dezember 1915 vom Frontdienst enthoben. Er wurde der Wachkompanie in Lienz zugeteilt, dann im Mai 1916 als Anbauoffizier zu gefangenen Russen koliert, war ab Herbst 1917 in Lienz, Abfaltersbach-Tessenberg in dieser Eigenschaft, dann ab Juni 1918 in Lienz-Bannberg als Bauaufsicht und wurde am 4. November 1918 infolge Kriegsende entlassen.

 

 

 

     

Archiv-Nr. 149
Johann Lumaßegger vlg. Rösch starb am 13. Sept. 1916 an den Folgen des Krieges und wird in späteren Aufzeichnungen ebenfalls zu den Gefallenen gezählt. Er war als Leutnant beim k.k. Standschützenbataillon Lienz eingesetzt
(Quelle: Weltkriegsschauplatz Osttirol von Ludwig Wiedemayr - Seite 42)
Johann Lumaßegger war in erster Ehe mit Theresia Gantschnig, einer Fotztochter verheiratet - Sohn Josef geb. 1896.
In zweiter Ehe war er mit Ursula Kollnig vom Zojer in Tristach verheiratet
Kinder: Maria, geb. 1906 - Missionsschwester; Franziska, geb. 1908 - verh, Ingruber; Johann, geb. 1915 - verh. in Hermagor.
Eltern: Johann Lumaßegger, Röschbauer und Ottilia Dabernig vom Steinergut zu Alkus 

     
 
Archiv-Nr. 8323
Panzl Anton - Fotografie auf einer Feldpostkarte
vom 31.10.1916
  Archiv-Nr. 6086
Feldpostkarte von Untermeßner Peter an seinen Kollegen
Greinhofer Alois Gutsbesitzer in Schlaiten - 1917
     
Archiv-Nr. 2922
8. November 1916 Feldpost von Plattner Josef, vlg. Plattner aus Serbien an seinen Vater Plattner Thomas;
Milit. Arb. Abt. 201 - 3. Tiroler Kaiserjäger Regiment - Etappenpost aus Prijepolje in Serbien
 
Archiv-Nr. 2922
Lieber Vater! Hoffe, daß euch diese Karte gesund treffen
wird wie auch ich es bin. Habe einen Geier geschossen -
ein Pracht -Vogel 2 m. 270 c Flügelweite auf drei Hundert
Schritt. Die italienischen Gefangenen haben gemeint
wenn solche Schützen seien in Tirol .....
Es grüßt Euch Euer dankesschuldiger Sohn Josef
 

Archiv-Nr. 3073
Plattner Josef, vlg. Plattner und seine Schwester Maria
Plattner Josef, Bauer beim Plattner,
* Schlaiten 08.10.1869, + Schlaiten 19.08.1959
oo Schlaiten 18.11.1919 Thekla Pedarnig
Plattner Maria, ledige Magd beim Plattner,
* Schlaiten 26.05.1880, + 20.04.1964

     

 

Archiv-Nr. 6024
Feldpost vom 24. Jänner 1917 - Duiner Karl an seine Ziehmutter Gridling Domitilla beim Gridling in Göriach
"Liebe Mutter! Kann euch von meinem Befinden das beste berichten, bin gesund, was ich auch von euch hoffe.
Die lieblichsten Grüße aus der Dolomitenfront sendet euer dankesschuldiger Karl"
Am linken Kartenrand ist noch die Frage vermerkt: "Habt ihr noch kein Gesuch geschickt?"
Die Feldpostkarte ist mit dem Vermerk "Zensuriert" abgestempelt.
Motiv der Postkarte: Dragoner im siegreichen Kampf gegen russische Kavallerie

6024 2 1917-01-27 Feldpost vom 27. Jänner 1917 - Duiner Karl an seine Ziehmutter Gridling Domitilla beim Gridling in

 

 

 
Archiv-Nr. 1
um 1917 Standschützen im 1. Weltkrieg
v.l.: Steiner Matthias - Daberersohn - späterer Anderler,
Plattner Thomas Bruder vom Plattnerbauer auf Göriach
und Santner Simon aus Kals, Knecht beim Gåsser;
 

Archiv-Nr. 5033
17. September 1917 - Feldpostkarte von Simon Santner
an seinen Freund Alois Greinhofer vlg. Kasperer -
damals auch Gemeindevorsteher in Schlaiten
Simon Santner, geb. Okt. 1887 - gest. 31.08.1946

     
     

Archiv-Nr. 5782
um 1917 v.l. Brüder Andrä und Bartl vom Fotz
und Santner Simon aus Kals, Knecht beim Gasser
Gantschnig Andreas, Fotz, geb. 01.07.1896 - 06.11.1982
Gantschnig Bartlmä vlg. Gant, 22.08.1892 - 13.04.1969

 

Archiv-Nr. 5799
um 1917 - Pedarnig Florian vlg. Kraßnig - ca. 18 Jahre alt
Kaiserschütze - Merkmal: Spielhahnstoß
Pedarnig Florian, Kraßbauer, 14.05.1899 - 06.01.1981

     
 

Archiv-Nr. 6100
1918-07-01 Feldpostkorrespondenzkarte aus Lobartow in Polen von Pedarnig Florian an seine Mutter Pedarnig Maria zu Kraßnig in Schlaiten
K. k. Landsturminfanterieregiment Eger Nr. 6 -
5. Feldkompagnie ---Standort 29.06.1918
Liebe Mutter! Habe Euren Brief mit bestem Dank erhalten. Hat aber furchtbar lang gedauert - von 11. datiert und am 28. (Juni) hab ich ihn (ge)kriegt.
Von Maria hab ich auch einen bekommen der war am 9. datiert den hab ich am 27. erhalten.  .....Bitte liebe Mutter schickt mir nochmals ein Gesuch aber auf mich und nicht an das Regimentskommando. Denn ich will damit zum Rapport gehen Urlaub bitten.
Ihr werdet heute noch Krapfen und Nigelen haben wie? (Paulstag - Patrozinium)   
Ich schließe mit vielen innigen Grüßen an Euch lb. Mutter und den Vater, als Euer Euch ewig dankschuldender Sohn Florian

     
     
     
Archiv-Nr. 5053
Feldpostkarte um 1918 Greinhofer Nikolaus vom Kasperer
an seinen Bruder Alois - Gemeindevorsteher in Schlaiten
Greinhofer Nikolaus - "Kasperer Niggl" - am 16.11.1884
 

Archiv-Nr. 6072
Zugleich mit dieser Trauerkarte erhält Alois Greinhofer
am 2. Jänner 1918 Neujahrsglückwünsche von seiner
Schwester Thresl aus Kitzbühel.
Aufgestempeler Vermerk rückseitig: Völkerkrieg 1914

     
 
Archiv-Nr. 702
vorne: Gridling Domitilla, geb. Unterleibniger (Engeler)
und Engeler Georg - Schneider
hinten v.l.: Maria Brugger, Albiner
und Petronilla Bichler, geb. Engeler;
  Archiv-Nr. 974
v.l.: Engeler Andreas - Schneider,
Pankratz Unterleibniger und Georg Engeler - Schneider
Pankratz Unterleibniger war ein Halbbruder von
Andreas und Georg Engeler sowie ein Bruder oder
Halbbruder von Domitilla Unterleibniger verh. Gridling
     
     

Archiv-Nr. 6193
Engeler Georg vlg. Schneider in einem Spital - 3. Reihe - 4. v.l.
K K Kaiserschützen Regiment Nr. III

     
     
 

Archiv-Nr. 6201
Pankratz Unterleibniger und Georg Engeler
Pankratz war ein Halbbruder zu den beiden
Schneider-Söhnen Andreas und Georg und ein
Zwillingsbruder von Domitilla verh. Gridling 

 

Archiv-Nr. 6252
um  1918 - Pedarnig Johann vlg. Kraßnig und 
Pedarnig Maria, geb. Gridling vom Innersteiner in Gwabl
Pedarnig Johann, geb. 05.08.1867 + 19.06.1929
Gridling Maria, geb. 15.03.1870, + 01.01.1944

     
     
  6058 1 1914 - 1918 Kriegsteilnehmer  - Lumaßegger Philipp vlg. Außerweberer
Archiv-Nr. 5827
1914 - 1918 Gridling Alois vlg. Gridling in Göriach,
Standschütze lt. handschriftl. Vermerk auf Foto
Gridling Alois, Gridlingbauer in Göriach, Bauernsekretär,
* Schlaiten 26.05.1871, + Schlaiten 12.09.1931
am Roßkopf abgestürzt, tot aufgefunden
oo Schlaiten 03.02.1902 Domitilla Unterleibniger
  Archiv-Nr. 6058
Kriegsteilnehmer  - Lumaßegger Philipp vlg. Außerweberer
Lumaßegger Philipp, Zimmermann beim Außerweberer,
* Schlaiten 30.10.1897, + Schlaiten 09.11.1947
oo Schlaiten 25.11.1929 Martha Wieser
     

Archiv-Nr. 6152
Philipp Lumaßegger vlg. Außerweberer - Kriegsteilnehmer 1915 - 1918
Kriegschronik 1914 bis 1918 von Philipp Lumasegger
Jäger im 3. Regt. d. Tir. Kais. Jäger, Bronz. Tapferkeitsmedaille - Karl Trupp.Krz. - Verw. Med. f. 3mal
Er rückte am 26. Mai 1915 z. 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger nach Lambach ein, zog nach der Ausbildung
im August 1915 ins Feld an die Isonzofront, am 5. Oktober 1915 in die Dolomiten zu den Kämpfen auf der Tofana,
26. Jänner 1916 nach Stern und St. Lorenzen, 15. März 1916 mit Fußmarsch nach Materello, am 18. August 1916
in die Stellung Folgaria - Serrade, bei der Maioffensive 1916, Vormarsch b. z. Priafora u. kam am. 18. Mai 1916
durch Lungenschuss und Streifschuss recht. Hand u. Bajonettstich recht. Oberschenkel verwundet ins Spital Folgaria -
Matarello - Innsbruck - Prag, dann am 1. August 1916 zum Kader. Er zog am. 1. Oktober 1916 wieder ins Feld,
auf d. Panubio, 26. Jän. 1917 n. Trient, 3. März 1917 z. Kader, am 1. Mai 1917 wieder an die Front a. d. Borcalopaß,
9. Sept. 1917 Abmarsch z. Offensive, 24. Okt. 1917 Durchbruch b. Flitsch, Vormarsch über die Tagliamente
b. z. Mt. Grappa - Mr. Pertica, 26. Jänner 1918 n. Trient 29. Febr. 1918 z. Kader zurück. Er wurde beurlaubt,
am 5. Mai 1918 ins Nonstal beordert, kam am 14. Oktober 1918 m. d. Assistenzbataillon nach Prag und kehre
am 3. November 1918 zurück. Zum steten Gedenken für alle Zeiten

     

Archiv.-Nr. 166
Mathias Ingruber starb am 14. April 1919 in italienischer Gefangenschaft. Mit ihm verlor die Familie Ingruber
vlg. Gruber den dritten Sohn im 1. Weltkriege. Mathias, geb. am 20. Jänner 1893 war das siebte von 18 Kindern
der Eheleute Ignaz Ingruber und Notburga, geb. Platzer. Sein älterer Bruder Paul fiel am 28.08.1914 in Galizien und war
das erste Opfer des Krieges in unserer Gemeinde. Der jüngere Bruder Hubert starb am 04.09.1918 an der Südwestfront
in Caldonazzo im Trentino und war damit das letzte Schlaitner Opfer, das unmittelbar im Zuge von Kriegshandlungen
zu beklagen war.  

     
 

„Innigstgeliebter Vater! Eine kurze, aber
doch für sorgende Herzen eine lange, lange Zeit
ist verflossen, seitdem auch Ihr, liebster Vater,
von uns Abschied genommen habt, um gleich
Euren Söhnen, unseren lieben Brüdern, hinaus-
zuziehen ins feindliche Leben. Möge Euch sowie
meine lieben Brüder, der liebe Gott schützen und
einstens glücklich und gesund wieder in die Heimat
zurückführen. Würde noch ein liebes, teures
Opfer, gefordert von mir (ein Bruder und der
Bräutigam der Schreiberin sind schon gefallen.
Die Red.), ich glaube, das könnte ich wohl schwer
mehr ertragen. Aber doch sollte man nicht allzu
sehr klagen; wir wissen nicht, aus welcher Absicht
Gott die so teuren Dahingeschiedenen so früh zu
sich gerufen hat. Hoffentlich bringt uns die Zu-
kunft bessere Zeiten.
Und doch ist es eine der weisesten Schöpfungen
Gottes, daß er uns den Einblick in die Zukunft
verwehrt; mit Schaudern nur würden wir an die
Schwelle der Zukunft treten, den Schritt hinüber
aber nicht wagen. Aber so betritt man, wenn auch
zögernd und zagend, ja doch wieder von frischer
Hoffnung beseelt, die Zukunft und lässt zutiefst
im Herzen die Hoffnung aufsteigen, daß sie uns
Gutes bringt, wenngleich manche Hoffnungen
zu bitteren Enttäuschungen werden.
Lieber Vater, wie geht es Euch? Seid
ihr wieder ganz gesund? Über unser Befinden
könnt Ihr Euch vollständig beruhigen, wir sind alle
frisch und gesund. Mit der Erntearbeit sind wir
trotz schwachen Kräften ziemlich vorgerückt. Auch
muß ich Euch berichten, dass Nazl in die Schule
geht; er hat eine rießige Freude. Er geht auch alle
Tage zur hl. Messe mit dem Auftrage, für Euch
und die Brüder fleißig zu beten. Nun grüßt und
küsst Euch viel tausendmal Eure dankbare und lie-
bende Tochter Antonia"

 
Archiv-Nr. 1647
um 1916 Geschwister Ingruber Antonia und Mathias
Antonia heiratete 1920 Bartholomäus Gantschnig
Mathias starb 1919 in italienischer Gefangenschaft

Der Brief wurde im Jahre 1915 von Antonia Gantschnig,
geb. Ingruber vom Gruberbauer in Schlaiten an ihren
Vater Ignaz Ingruber geschrieben.
Aus erster Ehe des Ignaz Ingruber entstammen
18 Kinder (geb. 1885 – 1911).   
7 Kinder starben im Säuglingsalter. Die Mutter,
Notburga, geb. Platzer verstarb 1911 und Ignaz Ingruber
heiratete 1913 Maria Kofler. Aus dieser Ehe entstammt
Tochter Edeltraud, geb. 1915.
Antonia, geb. 1891 hatte zu dieser Zeit als älteste
Tochter den ganzen Haushalt zu versorgen.

 
     
 

Archiv-Nr. 167
1919-07-28 Plattner Simon Mair-Sohn,
geb. am 24.10.1997
Simon geriet 1918 in italienische
Gefangenschaft und starb an den Kriegsfolgen
fern der Heimat im Alter von 32 Jahren
am 28. Juli 1919 in Treviso,
wo er auch begraben wurde.
Seine Eltern waren die Besitzer beim Moar:
Plattner Mathäus vlg. Moar (Mair) 
* Schlaiten 19.09.1843, + Schlaiten 23.12.1923
und
Magdalena, geb. Lercher von Alkus
* Alkus 26.05.1847, + 24.11.1923

Das Ehepaar Mathäus und Magdalene
hatte insgesamt 5 Kinder, wobei 2 Kinder bereits
bei der Geburt verstarben. Der älteste Sohn
Peter Paul verstarb im Jahre 1908 im Alter von
21 Jahren. Tochter Anna verstarb 1895 im Alter
von 6 Jahren. Nachdem auch Simon aus der
Gefangenschaft nicht mehr heimkehren durfte
und die Eltern im Jahre 1923 innerhalb von nur
einem Monat verstarben, war der Moarhof
verwaist. Das Anwesen brannte am 25.04.1924
vollständig nieder und wurde nicht mehr
wiedererrichtet.