Befreiungsdenkmal am Eduard-Wallnöfer-Platz in Innsbruck:
 

 

Mit der Neugestaltung des Freiheitsdenkmales am Landhausplatz hat das Land Tirol die Gelegenheit genützt, den Opfern des Wiederstands gegen den Nationalsozialismus ein deutliches Zeichen respektvoller Erinnerung zu setzen. Einhundertundsieben Namen, an den hoch aufragenden Seitenwänden des Befreiungsdenkmals angebracht, erinnern an Menschen, die sich aus unterschiedlichen Motiven und mit bewussten Handlungen dem Regime verweigert haben und im Widerstand ums Leben kamen.
Wie den Soldaten der alliierten Streitkräfte verdanken wir auch diesen Tirolerinnen und Tirolern die Möglichkeit der Freiheit Österreichs.
Das Befreiungsdenkmal trägt die Inschrift "Pro Libertate Austriae Mortuis" -
"Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen".
Inmitten dieser 107 Frauen und Männer, die wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus ihr Leben verloren haben, finden sich 3 Namen aus unserer (Pfarr)Gemeinde, an die wir in den nachfolgenden Portraits kurz erinnern wollen.

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Alois Flatscher
geb. 31.01.1894 in Schlaiten
gest. 31.07.1944 in unbekannt
Alois Flatscher war bis zum März 1938 Landesreferent der "Vaterländischen Front". Nach dem "Anschluss" wurde er seines Postens enthoben. Am 23. Oktober 1942 wurde er aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis des Landesgerichts Innsbruck inhaftiert.
Von 17. Dezember bis 8. Jänner 1943 war er im so genannten Arbeitserziehungslager Reichenau in Gestapohaft und wurde anschließend ins KZ Dachau überstellt. Von dort wurde er am 28. Jänner 1944 ins KZ Lublin gebracht, wo sich die Spur verliert. Wie das Landesgericht Innsbruck in einem Beschuss vom 31. Oktober 1950 festhält, muss davon ausgegangen werden, dass Josef Flatscher bei der Verlegung des KZ Lublin nach Auschwitz ums Leben kam.
Quellen: Tiroler Landesarchiv, Opferfürsorgeakt Marianne Flatscher.

 

 

2011-09-06_innsbruck_befreiungsdenkmal_eduard_wallnfer-platz_05_holzer_alois.jpgAlois Holzer
geb. 1919 in Glanz
gest. März 1945 bei Brünn 
Alois Holzer wuchs in Glanz in Osttirol auf. Sein bäuerliches Elternhaus war geprägt vom katholischen Glauben und von Antipathie gegen den Nationalsozialismus. Als Wehrmachtsoldat hatte er den Überfall der Wehrmacht auf Jugoslawien und Griechenland mitgemacht. Im September 1941 wurde sein Regiment nach Norwegen verlegt.
Die christliche Prägung und die mehrfachen Erfahrungen des brutalen Vorgehens der Wehrmacht gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen ließen bei ihm und seinem Bruder David den Entschluss zur Fahnenflucht reifen. Im Sommer 1943 kehrten beide nicht mehr aus dem Fronturlaub zurück und hielten sich mit ihrem Bekannten Franz Stolzlechner, der ebenfalls desertiert war, im Wald bei Schlaiten in einer selber gebauten Höhle versteckt.
Am 11. Jänner 1944 wurde Stolzlechner beim Organisieren von Verpflegung von der örtlichen Gendarmerie angeschossen und verhaftet. Alois und David Holzer stellten sich wenige Tage später freiwillig der Gendarmerie, um ihre Familie vor dem Zugriff der Gestapo zu schützen. Für die Fahenfucht wurden sie vom Militärgericht Klagenfurt zu Zuchthausstrafen verurteilt. Beide wurden in das Militärstraflager Börgermoor verlegt und mussten später im Bewährungsbattaillon 500 kämpfen. Während David Holzer überlebte, fiel Alois Holzer im März 1945 bei Brünn.
Quellen: Kofler, Osttirol, S. 214f., Zeugen des Winderstandes, S. 41f, Pirker, Osttiroler Deserteure, S. 126-134



2011-09-06_innsbruck_befreiungsdenkmal_eduard_wallnfer-platz_07_stolzlechner_franz.jpgFranz Stolzlechner
geb. 11.10.1923 in St. Peter im Ahrntal (Südtirol)
gest. 8.7.1944 in Wien-Kagran
Franz Stolzlechner lebte seit 1937 im Osttiroler Dorf Schlaiten. Er wurde 1941/42 zur Wehrmacht eingezogen. Im Winter 1942 war er zuletzt in Stalingrad im Einsatz und wurde schwer verwundet. Nach einem Lazarettaufenthalt in Hannover war er im Juni 1943 auf Heimaturlaub. Aufgrund der schrecklichen Erfahrungen beim Kriegseinsatz, in dem er unter anderem die Erschießung unschuldiger Menschen miterlebte, kehrte er nicht mehr zu seiner Einheit zurück. Zusammen mit den Brüdern David und Alois Holzer hielt er sich im Wald von Schlaiten in einer selbst erbauten Höhle versteckt.
Am 10. Jänner 1944 wurde er von der örtlichen Gendarmerie angeschossen und verhaftet, als er aus dem elterlichen Haus Nahrungsmittel beschaffen wollte. Sein Vater tauchte bis Kriegsende unter, um dem Zugriff der Gestapo zu entgehen, die restliche Familie wurde vom Hof vertrieben.
Franz Stolzlechner wurde Ende Februar in das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis in Wien-Favoriten überstellt und am 4. März 1944 von einem Militärgericht zum Tode wegen Desertion und Mordversuch an einem Gendarmen verurteilt. Das Todesurteil wurde am 9. Juli 1944 in Wien-Kagran vollstreckt.
Quellen: Zeugen des Widerstandes, S. 94
Kofler, Osttirol, S. 214f
Pirker, "....Wir gehen gemeinsam in den Untergrund", S. 126-137