Geschichte der Pfarrkirche Schlaiten

2006-04-15_pfarrkirche_deckenmalerei_schlaiten02.jpgÜber die Entstehung der Kirche in Schlaiten erzählt eine alte Legende:
Am Kraß- und Michelbach arbeiteten im 13. Jahrhundert an die 3000 Bergleute und führten ein tolles, gottloses Leben. Glaubensboten wurden misshandelt, verprügelt und vertrieben.
Ein zu Tode geprügelter Gottesmann sei in den Himmel gekommen und habe dem Herrgott über die misslichen Zustände berichtet. Darauf habe Gott dem Heiligen Paulus den Auftrag zur Bekehrung der Sünder gegeben.
Dieser ließ eine große Waldfläche roden und darauf Hütten bauen, nachdem ein erster Versuch zur Bekehrung fehlgeschlagen war. Die Siedler bestiftete er mit Haus und Feld. Die Bergleute hätten dann von ihrem ursprünglichen gottlosen Tun abgelassen. Aus eigenem Entschluss hätten sie sogar eine Kapelle erbaut und sie dem Gründer ihrer Siedlung geweiht, dem Heiligen Paulus.

Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche zum Hl. Paulus ist im Jahre 1458 nachgewiesen. Sie gehörte damals zum Kloster Ossiach. Ursprünglich war sie eine Wallfahrtskirche zu den 14 Nothelfern und zu den Wetterheiligen Hl. Johannes und Paulus.
Bis 1702 wurde die Seelsorgegemeinde von Lienz aus betreut, danach bildete sie einen Teil der Kuratie St. Johann im Walde. Im Jahr 1785 wurde die Expositur der Pfarre Lienz gegründet, somit war Schlaiten wieder von der Kuratie St. Johann i.W. getrennt. Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand ein starker Wallfahrerzustrom. Kultgegenstand war der Nothelfer-Altar mit Bildern der Vierzehn Nothelfer.
1968 erfolgte die Erhebung zur eigenständigen Pfarre.


Bauliche Besonderheiten:

Pfarrkirche SchlaitenAussenansicht:
Der nordseitig angebaute Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert. An der Südseite des Kirchenschiffes befindet sich ein fünfseitiger Sakristeianbau. Nordseitig wurde das hinterste Joch mittels Tuffstein zu einer Lourdesgrotte ausgebaut. Das Vordach beim Kircheneingang (bezeichnet mit der Jahreszahl 1697) bildet die Verbindung von Kirche und westseitigem Arkadengang. Über dem Eingang befindet sich ein Stein mit der Jahreszahl 1658.

Innenbereich:
Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert. Die vorhandenen Befunde lassen darauf schließen, dass das Gewölbe im 17. Jh. lediglich mit einer Stuckdekoration, ohne Malerei ausgestattet war. 1857 wurde das Innere mit Leimfarbenmalereien von Christian Holzinger ausgestattet. Aus dieser Phase ist das Deckenbild unter der Empore erhalten geblieben: Maria als Beschützerin des Ortes. Herz-Marien-Figur, in Wolken über dem Kirchdorf schwebend, angebetet von Heiligen.


1906/07 erfolgte eine Neuausmalung durch Matthias Peskoller aus Welsberg in Südtirol. 1950 wurde diese Ausstattung im Zuge der Restaurierung durch Lukas Arnold (Klagenfurt) übertüncht, da sie im Vergleich zum übrigen Kirchenraum zu überladen schien.


Im Jahr 1989 wurden die Wandmalereien aus dem Jahre 1906/07 durch die Firma Pescoller (Bruneck) wieder freigelegt und restauriert, bzw. nach vorhandenen Originalkartons im Diözesanmuseum in Brixen und in der Werkstatt der Fa. Poscoller in Bruneck wiederhergestellt und ergänzt.

2005-12-25_pfarrkirche_schlaiten_hochaltar01.jpg.jpgDer heute bestehende barocke Hochaltar aus dem Jahre 1735 wurde von Johann Paterer erbaut und war der Überlieferung nach für die Pfarrkirche St. Pauls in Eppan (Südtirol) bestimmt. Die Zentrale Figurengruppe zeigt die Aufnahme des Heiligen Paulus in den Himmel.
Das Altarbild des linken Seitenaltars zeigt, wie Christus dem Hl. Petrus die Schlüssel zur Paradiespforte überreicht, im rechten Seitenaltar ist die Bekehrung des Heiligen Paulus dargestellt. 

Ursprünglich war die Pfarrkirche mit einer Schleifladenorgel des Orgelbauers Alois Fuetsch aus dem Jahre 1905 ausgestattet. Seit 2008 verfügt die Kirche über eine einmanualige Orgel der Firma Pirchner in Steinach am Brenner. Das Orgelgehäuse aus dem Jahr 1905 wurde restauriert und findet weiterhin Verwendung. Zur Finanzierung der neuen Orgel wurden unter anderem bei diversen Festveranstaltungen auch Pfeifen der alten Fuetsch-Orgel versteigert.

Die Kirchenfenster wurden 1942 von der Tiroler Glasmalerei angefertigt.

Die Stationsbilder entlang beider Seiten des Kirchenschiffes stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind bezeichnet mit dem Schriftzug "Thomas Valtiner".

1773 goss die Firma Grassmayr in Innsbruck die ersten zwei Glocken für Schlaiten. Das heutige Geläute mit fünf Glocken in der Stimmung es, g, b, c und es wurde 1950 von der Firma Josef Pfundner in Wien hergestellt.