Projekt Harpfen

Die mächtigen Harpfen standen noch vor einigen Jahrzehnten wie Denkmäler einer alpinen Kultur. Sie prägten und strukturierten das Landschaftsbild. In der Zwischenzeit haben die Harpfen ihre Funktion verloren und daher erscheint es auch nicht mehr wichtig, sie zu erhalten. Sie verschwinden zunehmend aus unserem Landschaftsbild und auch aus unserem Gedächtnis.
Lediglich eine einzige einreihige Harpfe (beim Zaiacher) ist noch erhalten geblieben. Die Doppelharpfen sind als überdachte Abstellflächen interessant geblieben, daher haben sich in Schlaiten noch 4 solcher Dachharpfen ins 21. Jahrhundert "herübergerettet": Wastler, Ångerer, Pedarnig und Wirt.
Die Chronisten Osttirols haben 2008/2009 eine Erhebung über die Harpfen durchgeführt. In der nachstehenden Fotogalerie sind neben den noch bestehenden Harpfen auch jene zu sehen, die in Schlaiten noch vor einigen Jahrzehnten das Landschaftsbild prägten.


Befreiungsdenkmal am Eduard-Wallnöfer-Platz in Innsbruck:
 

 

Mit der Neugestaltung des Freiheitsdenkmales am Landhausplatz hat das Land Tirol die Gelegenheit genützt, den Opfern des Wiederstands gegen den Nationalsozialismus ein deutliches Zeichen respektvoller Erinnerung zu setzen. Einhundertundsieben Namen, an den hoch aufragenden Seitenwänden des Befreiungsdenkmals angebracht, erinnern an Menschen, die sich aus unterschiedlichen Motiven und mit bewussten Handlungen dem Regime verweigert haben und im Widerstand ums Leben kamen.
Wie den Soldaten der alliierten Streitkräfte verdanken wir auch diesen Tirolerinnen und Tirolern die Möglichkeit der Freiheit Österreichs.
Das Befreiungsdenkmal trägt die Inschrift "Pro Libertate Austriae Mortuis" -
"Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen".
Inmitten dieser 107 Frauen und Männer, die wegen ihres Widerstandes gegen den Nationalsozialismus ihr Leben verloren haben, finden sich 3 Namen aus unserer (Pfarr)Gemeinde, an die wir in den nachfolgenden Portraits kurz erinnern wollen.

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Alois Flatscher
geb. 31.01.1894 in Schlaiten
gest. 31.07.1944 in unbekannt
Alois Flatscher war bis zum März 1938 Landesreferent der "Vaterländischen Front". Nach dem "Anschluss" wurde er seines Postens enthoben. Am 23. Oktober 1942 wurde er aus politischen Gründen von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis des Landesgerichts Innsbruck inhaftiert.
Von 17. Dezember bis 8. Jänner 1943 war er im so genannten Arbeitserziehungslager Reichenau in Gestapohaft und wurde anschließend ins KZ Dachau überstellt. Von dort wurde er am 28. Jänner 1944 ins KZ Lublin gebracht, wo sich die Spur verliert. Wie das Landesgericht Innsbruck in einem Beschuss vom 31. Oktober 1950 festhält, muss davon ausgegangen werden, dass Josef Flatscher bei der Verlegung des KZ Lublin nach Auschwitz ums Leben kam.
Quellen: Tiroler Landesarchiv, Opferfürsorgeakt Marianne Flatscher.

 

 

2011-09-06_innsbruck_befreiungsdenkmal_eduard_wallnfer-platz_05_holzer_alois.jpgAlois Holzer
geb. 1919 in Glanz
gest. März 1945 bei Brünn 
Alois Holzer wuchs in Glanz in Osttirol auf. Sein bäuerliches Elternhaus war geprägt vom katholischen Glauben und von Antipathie gegen den Nationalsozialismus. Als Wehrmachtsoldat hatte er den Überfall der Wehrmacht auf Jugoslawien und Griechenland mitgemacht. Im September 1941 wurde sein Regiment nach Norwegen verlegt.
Die christliche Prägung und die mehrfachen Erfahrungen des brutalen Vorgehens der Wehrmacht gegenüber sowjetischen Kriegsgefangenen ließen bei ihm und seinem Bruder David den Entschluss zur Fahnenflucht reifen. Im Sommer 1943 kehrten beide nicht mehr aus dem Fronturlaub zurück und hielten sich mit ihrem Bekannten Franz Stolzlechner, der ebenfalls desertiert war, im Wald bei Schlaiten in einer selber gebauten Höhle versteckt.
Am 11. Jänner 1944 wurde Stolzlechner beim Organisieren von Verpflegung von der örtlichen Gendarmerie angeschossen und verhaftet. Alois und David Holzer stellten sich wenige Tage später freiwillig der Gendarmerie, um ihre Familie vor dem Zugriff der Gestapo zu schützen. Für die Fahenfucht wurden sie vom Militärgericht Klagenfurt zu Zuchthausstrafen verurteilt. Beide wurden in das Militärstraflager Börgermoor verlegt und mussten später im Bewährungsbattaillon 500 kämpfen. Während David Holzer überlebte, fiel Alois Holzer im März 1945 bei Brünn.
Quellen: Kofler, Osttirol, S. 214f., Zeugen des Winderstandes, S. 41f, Pirker, Osttiroler Deserteure, S. 126-134



2011-09-06_innsbruck_befreiungsdenkmal_eduard_wallnfer-platz_07_stolzlechner_franz.jpgFranz Stolzlechner
geb. 11.10.1923 in St. Peter im Ahrntal (Südtirol)
gest. 8.7.1944 in Wien-Kagran
Franz Stolzlechner lebte seit 1937 im Osttiroler Dorf Schlaiten. Er wurde 1941/42 zur Wehrmacht eingezogen. Im Winter 1942 war er zuletzt in Stalingrad im Einsatz und wurde schwer verwundet. Nach einem Lazarettaufenthalt in Hannover war er im Juni 1943 auf Heimaturlaub. Aufgrund der schrecklichen Erfahrungen beim Kriegseinsatz, in dem er unter anderem die Erschießung unschuldiger Menschen miterlebte, kehrte er nicht mehr zu seiner Einheit zurück. Zusammen mit den Brüdern David und Alois Holzer hielt er sich im Wald von Schlaiten in einer selbst erbauten Höhle versteckt.
Am 10. Jänner 1944 wurde er von der örtlichen Gendarmerie angeschossen und verhaftet, als er aus dem elterlichen Haus Nahrungsmittel beschaffen wollte. Sein Vater tauchte bis Kriegsende unter, um dem Zugriff der Gestapo zu entgehen, die restliche Familie wurde vom Hof vertrieben.
Franz Stolzlechner wurde Ende Februar in das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis in Wien-Favoriten überstellt und am 4. März 1944 von einem Militärgericht zum Tode wegen Desertion und Mordversuch an einem Gendarmen verurteilt. Das Todesurteil wurde am 9. Juli 1944 in Wien-Kagran vollstreckt.
Quellen: Zeugen des Widerstandes, S. 94
Kofler, Osttirol, S. 214f
Pirker, "....Wir gehen gemeinsam in den Untergrund", S. 126-137

 


 

 

Viele Gemeinden sind in der glücklichen Lage, dass jemand jahrzehntelang alles aufgeschrieben hat, was sich in einem Dorf ereignet hat und zudem auch Fotos und sonstige Informationen gesammelt, beschriftet und geordnet hat. Großteils waren es die Volksschullehrer, die auch über die notwendigen Kenntnisse für derartige Arbeiten verfügten. Es war aber auch notwendig, einen gewissen Abstand zu den politischen Geschehnissen halten zu können. Nur so konnte der Chronist beurteilen, welche Informationen eventuell schon in einem Jahr nicht mehr wichtig sind und andererseits konnte er auch erkennen, dass eine kleine Nebensächlichkeit in einigen Jahren große Bedeutung erlangen wird.
Schlaiten verfügte leider nicht über einen solchen Dorfchronisten. Aber trotzdem ist vieles an Bildmaterial und sonstigen Unterlagen vorhanden, sodass die Arbeit der heutigen Chronisten spannend bleibt. Es kommt immer wieder vor, dass Fotos in den Unterlagen der Gemeindechronik auftauchen, die entweder gar nicht oder falsch beschriftet sind.

1920-03-22_gridling_alban_gridlingbauer.jpg   scheiterer_wastler_familie.jpg

Alt.-Bgm. Franz Pedarnig hat sich bei verschiedenen Chronistentagungen und Seminaren das notwendige Wissen angeeignet, um den Aufbau einer Gemeindechronik richtig in die Wege zu leiten. Sein im Vorjahr verstorbener Bruder Hans hat unzählige Stunden im Tiroler Landesarchiv verbracht und alles aufgeschrieben, was mit unserem Dorf in Verbindung zu bringen war. In unserer Pfarre wurden neben den Heirats-, Tauf- und Sterbebüchern keine Familienbücher geführt. Um eine Übersicht über die Ahnenreihen der einzelnen Familien zu erlangen, müssen die Daten aus den Matriken der Pfarre in mühsamer Arbeit erhoben werden. Dazu ist es natürlich auch notwendig, die Deutsche Kurrentschrift lesen zu können. Neben Franz Pedarnig widmet sich auch Ludwig Pedarnig seit einigen Monaten dieser wichtigen Aufgabe.

Für die Personenstandsdaten waren in früheren Zeiten ausschließlich die Pfarren zuständig. Nachdem die Gemeinde Schlaiten erst wieder am 1. Jänner 1949 die Selbständigkeit erlangt hat, verfügt die Gemeinde - bis auf einige lückenhafte Verzeichnisse - über keine entsprechenden Personendaten aus früheren Zeiträumen und ist daher auf die Aufzeichnungen aus den Pfarrmatriken angewiesen.
Die Gemeindechronik verfügt derzeit bereits über einige Tausend Fotos, die in ein digitales Bildarchiv eingespielt wurden. Um die alten Aufnahmen auch richtig beschriften zu können, ist natürlich das vorherige Anlegen von Personendaten mit Geburts-, Heirats- und Sterbedatum eine wichtige Voraussetzung. Mit Karin Pedarnig hat das Chronikteam der Gemeinde Schlaiten eine weitere wichtige Stütze gefunden, um das historische (und auch das aktuelle) Bildmaterial richtig zu verwalten (einscannen, digitalisieren, beschriften, etc.). Das notwendige Fachwissen für diese umfangreiche Chronikarbeit konnte sich das Team bei Lehrgängen des Tiroler Bildungsforums aneignen. Es werden auch immer wieder Seminare zu speziellen Themen angeboten: Familienforschung, Lesen von alten Schriften, etc. Sollte jemand Interesse an diesem Schulungsangebot oder vielleicht sogar an der Mitarbeit im Chronikteam der Gemeinde haben, ist er herzlich willkommen. Und natürlich freuen wir uns immer wieder über alte Fotos, Zeitschriften, Urkunden, usw. Und ein ganz besonderes Geschenk ist es, wenn der Überbringer zum Bildmaterial noch eine kleine Geschichte erzählen kann. Wir werden die Fotos nach Möglichkeit sofort einscannen und dem Überbringer gleich wieder mitgeben. Wir freuen uns natürlich auch über eine digitale Übermittlung von Fotos an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Anfangs sind einige Schülerfotos auf PDF-Dateien - da eine umfangreiche Beschreibung angefügt ist.
Sollte jemand Fehler entdeckt haben, bitte auf der Gemeinde melden.
Das Chronistenteam ist auf der Suche nach weiteren Schulfotos - und auch andere alte und neue Aufnahmen, die für die Nachwelt erhalten bleiben sollten.

Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen.

Ludwig

1939_volksschule_schlaiten.jpg

pdf 1939 VS Schlaiten Jg. 1925-1929 mit Beschriftung

pdf 1939 VS Schlaiten Jg. 1930-1933 mit Beschriftung

pdf 1964 Volksschule 1. Klasse mit Valeria Webhofer

pdf 1964 Volksschule 2. Klasse mit Lehrerin Charlotte Ortner

pdf 1964 Volksschule Oberstufe mit Dir. Erich Ortner

 


 

chronik - alte karte002Derzeit ist Franz Pedarnig gemeinsam mit unserem Gemeindewaldaufseher Josef Klaunzer auch damit beschäftigt, eine Flurnamendokumentation zu erstellen. Für diese Erhebung ist natürlich auch die Mithilfe von der Bevölkerung erforderlich. Zum Teil sind den heutigen Grundbesitzern nicht mehr alle Flurnamen von der eigenen Hofstelle geläufig. Schätzungsweise über 1000 Flurnamen werden vorerst in einer Tabelle gesammelt und anschließend in Luftbildaufnahmen der Gemeinde eingetragen. Diese werden anschließend von Sprachwissenschaftlern hinsichtlich Schreibweise und Erklärung zur Aussprache überarbeitet und mit Hilfe eines Geoinformationssystems verortet und daraus wird in eine digitale Flurnamenkarte erstellt.