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Projekt "Windpark Schlaiten" abgesagt
Die Firma ImWind hat am 5. Oktober 2026 schriftlich mitgeteilt, dass sie das Projekt "Windpark Schlaiten" nach eingehender Prüfung und Neubewertung der erforderlichen Infrastruktur in Bezug auf das übergeordnete Straßennetz nicht weiterverfolgen wird.

Am gleichen Tage hat auch eine Bürgerinitiative aus der Gemeinde Schlaiten im Gemeindeamt eine Petition gegen den "Windpark Schlaiten" eingebracht. Darin ist angeführt, dass diese Petition von 220 Gemeindebürgern und -bürgerinnen unterschrieben ist. Damit handelt es sich um eine eindeutige Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung. Mit Stichtag 1. Oktober 2026 sind 381 Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde wahlberechtigt (ab dem 16. Lebensjahr). Somit handelt es sich um 57 %, die das Projekt "Windpark Schlaiten" ablehnen und die Petition unterschrieben haben.
Die unterschriebenen Listen wurden dem Gemeindeamt aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht übergeben. Im Zuge der Behandlung des Tagesordnungspunktes wird dem Gemeinderat Einsicht in die Unterstützungserklärungen gewährt.
Entsprechend § 67 Tiroler Gemeindeordnung 2001 wird die Petition umgehend dem Kollegialorgan (Gemeinderat) zur Kenntnis gebracht. Die Petition ist binnen drei Monaten nach dem Einlangen im Gemeindeamt im Gemeinderat zu behandeln.
In der Petition wird der Gemeinderat aufgefordert gemäß § 67 der Tiroler Gemeindeordnung 2001 folgende Punkte auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung zu setzen und darüber Beschlüsse zu fassen:
1) Stopp des Windparkprojekts
2) Schutz des Landschaftsbildes, des Naturraums und der Quellgebiete durch geeignete Maßnahmen und Verordnungen
3) Gemeindepolitik statt Energiepolitik von außen
Soweit die Fakten und was rechtlich in den nächsten Wochen von der Gemeinde, bzw. vom Gemeinderat abzuarbeiten ist.
Aus demokratischer Sicht ist es selbstverständlich, dass die Meinung einer Mehrheit anzuerkennen ist.
Aus gesellschaftlicher Sicht fällt die Entscheidung auch nicht schwer:
Das Thema Windkraft hat die AfD in Deutschland und die FPÖ in Österreich für sich entdeckt und politisch extrem aufgeheizt.
Diese Lautstärke und die Härte in der Sprache ist auch bei uns im öffentlichen Raum angekommen.
Es ist kaum mehr möglich, eine Diskussion über Windkraft sachlich und emotionsfrei zu führen.
Allerdings ist nicht eindeutig, ob sich mit einer Mehrheit von 57 % der Friede im Dorf so einfach erzwingen lässt.
Ich gehe davon aus, dass alle Streitthemen, die wissenschaftlich und statistisch nicht belegbar sind und trotzdem seit Jahren von Windkraftgegnern und politischen Parteien bespielt werden, beim Unterschriftensammeln nicht zum Thema gemacht wurden.
Die eigentlich wichtigen Themen waren:
Ästhetik der Windräder im Wald - Landschaftsbild
Adaptierung und Ausbau des Wegenetzes
Belastungen in der Bauphase
Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft und Ausübung der Jagd
Damit haben wir unsere Chance vertan, in Schlaiten unseren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Ich hoffe, es kommt nicht zur Renaissance von Öl, Gas und Atomkraft in Verbindung mit einem Kniefall vor Trump und Putin. Wir waren bei der Energiewende bisher schon auf einem guten Weg. Mit Wasserkraft und Photovoltaik allein wird es sich nicht ganz ausgehen, auch wenn wir in Tirol oder in Österreich "die Schotten dicht machen". Ein Mix aus allem, inklusive Speicher und Windkraft wäre wohl die beste Lösung.
Von dieser Entscheidung ist auch jeder einzelne Gemeindebürger finanziell betroffen. Der Mehrwert für die gesamte Gemeinde mit Pachteinnahmen und Infrastrukturabgaben in Höhe von mindestens € 430.000,00 jährlich ist damit Geschichte. Zumindest zwei Drittel dieser Einnahmen hätten den unmittelbaren Haushalt der Gemeinde betroffen - notwendige Anschaffungen und Investitionen, die jedem einzelnen Bürger zugute kommen. Ein weiterer Mehrwert hätte sich mit einem stabilen Stromtarif über eine Bürger-Energiegemeinschaft für die nächsten 20 Jahre ergeben. Unmittelbar spürbar für jeden Haushalt wäre eine Zuschuss zu den Stromkosten in Höhe von ca. dreihundert Euro - so wie in vergleichbaren Gemeinden. Weiters wäre auch eine Bürgerbeteiligung in Form eines Nachrangdarlehens (höherer Zinssatz) möglich.
Ich hoffe, dass der nächste Gemeinderat gute Ideen hat, wie man sich bei einem jährlichen Haushalt von 1,5 Mio Euro auch ohne diese Gelder von den ständigen Geldnöten einer Abgangsgemeinde befreit, ohne die Schrauben bei den Gemeindeabgaben ansetzen zu müssen oder bei den notwendigsten Aufwendungen "Nein" zu sagen.
Schlussendlich möchte ich mich noch bei der Firma ImWind für die faire Partnerschaft und den stets offenen Dialog bedanken.
Auch den zahlreichen Befürwortern der Windkraft in Schlaiten möchte ich ein Vergelt's Gott sagen. Unsere Seite war etwas zu klein und zu leise.